Gedanken zur Heufütterung

20141215-_MG_8659Ein Wildpferd bewegt sich auf Nahrungssuche viele Stunden am Tag langsam fort und nimmt dabei Gräser, Kräuter, Blätter, Zweige, Wurzeln, Früchte, Nüsse und Samen auf.

In krassem Gegensatz dazu steht das Boxenpferd, das manchmal sogar 23 Stunden auf sehr engem Raum verbringen muss. Dann ist das Futterangebot oft auch noch sehr stark kraftfutterlastig ausgelegt. Das führt dazu, dass die Pferde sehr viel Energie in sehr kurzer Zeit aufnehmen und zusätzlich noch sehr wenig Kauschläge dafür benötigen. Für Kraftfutter werden pro kg 800 bis 1200 Kauschläge benötigt für Rauhfutter hingegen 3000 bis 3500! Wenn man nun aber weiß, dass die Anzahl der Kauschläge am Tag dafür ausschlaggebend sind, ob sich ein Pferd ausgeglichen fühlt, kann man durchaus nachvollziehen, dass weniger Rauhfutter zu aggressiverem Verhalten führt. Das erklärt vielleicht wieso sich in den meisten Boxenställen nur vollvergitterte Trennwände zu den Nachbarn bewähren..

Der Magen unserer Pferde ist im Verhältnis sehr klein und hat nur ein Fassungsvermögen von etwa 15 Litern. Bei natürlicher Ernährung (Wildpferd) ist er nie leer. Deshalb hat es die Natur wohl auch so eingerichtet, dass die Produktion von Salzsäure im hinteren Bereich des Magens permanent erfolgt. In einem Kurs wurde mir das einmal sehr anschaulich erklärt. Dort wo die Salzsäure gebildet wird, ist die Magenschleimhaut entsprechend stark ausgebildet, dass die Säure nichts anrichten kann. Man kann sich im leeren Pferdemagen wirklich als ‚Säuresee‘ vorstellen. Wenn so ein Pferd (mit leerem Magen, aber eben diesem ‚Säuresee‘) nun bewegt wird, dann ’schwappt‘ die Säure in einen Bereich, der dafür nicht vorgesehen ist und dementsprechend nicht den entsprechenden Schutz aufweist. Dies kann zu Magengeschwüren führen. Heute geht man davon aus, dass mindestens 60 % der Pferde unter Magengeschwüren leiden. Mir ist durchaus bewusst, dass auch noch andere Faktoren zum Entstehen von Magengeschwüren beitragen. Aber wenn man die einfache Regel, dass ein Pferd NIE LÄNGER ALS VIER STUNDEN OHNE RAUHFUTTER sein sollte und dazu noch beachtet, dass man ein Pferd mit leerem Magen nicht schneller als im Schritt bewegen sollte, wäre ein erster Schritt getan. Wenn man ein Pferd von einem Matschauslauf holt und weiß, dass die letzten vier Stunden nichts zum Fressen da war, dann wäre es aus meiner Sicht gelebter Tierschutz dem Pferd etwas Rauhfutter zu geben und die Reiterei um eine Stunde zu verschieben.

Übrigens unterscheidet sich auch die Fressdauer von je 1 kg von 8 – 15 min. für Kraftfutter bis zu 40 – 50 min. bei Rauhfutter, dh. das Pferd ist beim Fressen von 1 kg Heu viel länger beschäftigt und es entspricht viel eher den natürlichen Gegebenheiten.

Wenn man sich einmal intensiver mit der Verdauung des Pferdes auseinandersetzt, erkennt man, dass alles dazu ausgelegt ist aus aller Nahrung jeglichen Inhaltsstoff herauszufiltern und letztlich nur das Unverdauliche auszuscheiden. Das erklärt aber gleichzeitig auch wieso es so wichtig ist, dass wir unsere Pferde mit möglichst hochwertigen Futtermitteln, damit meine ich vorrangig HEU, mit möglichst geringer Schadstoffbelastung füttern. Als Richtmenge sollten die 1,5 bis 2 kg Heu pro Tag und 100 kg Körpergewicht herangezogen werden. Pferde, die im Offenstall leben und vielleicht auch wenig Kraftfutter bekommen, haben in der kälteren Jahreszeit vielleicht sogar noch einen höheren Bedarf.

In der letzten Zeit ist erfreulicherweise erkennbar, dass immer mehr Pferdebesitzer darauf Wert legen, dass ihre Pferde rund um die Uhr Heu zur Verfügung haben. In Boxenställen mag das vielleicht ein wenig schwierig praktizierbar sein, aber hier könnten Heunetze durchaus eine gute Ergänzung darstellen. Ich habe auch schon gesehen, dass man je zwei Paddockboxen mit einem Heuautomaten versorgt. Möglichkeiten gibt es mittlerweile viele und ich hoffe sehr, dass sich hier ein Umdenken im Interesse aller Pferde durchsetzt.

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

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