Aufwärmen

Das Aufwärmen scheint bei manchen Reitern nicht sehr beliebt zu sein… damit meine ich jetzt erst einmal das Aufwärmen des Pferdes. Leider sehe ich immer wieder Leute, die ihr Pferd aus der Box (!) holen und kurz nach Betreten des Reitplatzes/der Halle schon galoppieren..

Meines Erachtens nach brauchen Pferde einige Zeit, um ‚warm‘ zu werden und bis man einen Galopp oder gar Sprünge vom Pferd verlangt, sollte mindestens eine halbe Stunde Bewegung erfolgt sein.  Bei Pferden, die frisch aus der Box geholt werden, mag das ja noch für jeden verständlich erscheinen. Aber auch Pferde, die beispielsweise in einem Offenstall untergebracht sind, bewegen sich ja nicht permanent – nicht einmal, wenn es sich um einen sogenannten Aktivstall handelt oder wenn die Koppeln offen sind.. Die Pferde legen immer wieder Ruhepausen ein und stehen ein gutes Stück an Zeit permanent still und ruhen einfach. Daher ist es aus meiner Sicht IMMER nötig das Pferd vor dem Antraben ausreichend im Schritt zu bewegen, auch wenn das Pferd aus dem Offenstall oder von der Koppel geholt worden ist. Selbst wenn sich das Pferd vorher gut bewegt haben sollte, ist alleine durch das Putzen und Satteln eine deutliche Pause in der Bewegung eingetreten. Daher empfehle ich auch diese Pferde ganz normal aufzuwärmen – als Mindestmaß sind hier meiner Einschätzung nach 10 Minuten einzuplanen, aber je länger, desto besser. Falls ein Pferd schon etwas älter sein sollte oder gesundheitliche Probleme hat, empfehle ich mindestens 15 Minuten Schritt zum Aufwärmen. Und nicht zu vergessen: je kälter es wird, desto länger brauchen unsere Pferde, um ‚warm‘ für die Arbeit zu werden! Im Winter würde ich mindestens 20 Minuten Schritt einplanen, bevor ich mit den ersten Trabreprisen beginne.

Dies gilt übrigens auch, wenn ein Pferd longiert werden soll. Um alles ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten, empfehle ich gerade bei geplanter Longenarbeit, zuerst ein Stück mit dem Pferd an der Hand spazieren zu gehen, dann vielleicht mit ein paar einführenden Übungen auf die bevorstehende Longenarbeit weiterzumachen und erst nach ca. 30 Minuten mit der Trab- und später auch Galopparbeit an der Longe zu beginnen.

Dasselbe gilt übrigens auch für das Freilaufen.. ein Pferd aus der Box zu holen und dann unmittelbar in der Halle oder auf dem Platz laufen zu lassen, ist der Gesundheit des Tieres leider wirklich nicht zuträglich! Da braucht dann nur noch ein kurzer Ausrutscher dazukommen und so ist schnell ein richtiges gesundheitliches Problem entstanden :-(.

Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass wir auch als Reiter die PFLICHT haben uns aufzuwärmen, weil wir es dadurch unseren Pferden einfacher machen bzw. wie es eine Kursleiterin einmal formuliert hat: ‚das ist gelebter Tierschutz‘. Wenn man beispielsweise einen (oder mehrere) Kurse nach Eckart Meyners absolviert hat, kennt man seine eigenen Schwachstellen als Reiter ziemlich genau. Und man hat dann hoffentlich auch sehr genau definierte Aufwärmübungen von dem jeweiligen Trainer erhalten… Ich war in den Kursen oft wirklich verblüfft wie groß die Unterschiede an den Pferden zwischen vorher und nachher sichtbar waren, obwohl ’nur‘ ein paar Übungen mit dem Reiter dazwischenlagen. Unsere Pferde sind einfach genial und reagieren extrem schnell auf eine Verbesserung des Reiters :-).

Kürzlich hörte ich auch eine Aussage, die angeblich sogar wissenschaftlich fundiert sein soll: ein gut sitzender Reiter auf einem schlecht passenden Sattel ist für ein Pferd angenehmer als umgekehrt. Für mich bedeutet das, dass ich mehr Augenmerk auf mich und meinen Sitz legen werde – ohne dabei einen grundsätzlich passenden Sattel zu vernachlässigen… Beim Centered Riding lernt man ja, dass man 75 % auf sich selbst richten soll und nur 25 % auf das Pferd. Damit muss man natürlich auch die Fehler zuerst einmal bei sich suchen.. Oder noch einfacher: man erinnert sich einfach an eine Übung, wo man sich stark konzentrieren muss und plötzlich beginnt das Pferd wie von selbst ‚rund‘ zu laufen.

Wir können es nicht leugnen – unsere Pferde reagieren oft ganz extrem auf uns – das mag einmal positiv sein, dann wieder für uns negativ. Pferde spiegeln vielleicht auch unsere eigenen körperlichen Probleme – wenn der Reiter beispielsweise eine Blockade im ISG (Iliosacralgelenk) hat, dann zeigt das Pferd üblicherweise ebenso in diesem Bereich ein Problem. Sobald die Blockade beim Reiter gelöst ist, kann auch das Pferd wieder ‚rund‘ galoppieren. Jedem, der das nicht glauben mag, kann ich nur dringend ans Herz legen einmal zumindest bei einem Eckart Meyners Kurs zuzuschauen. Da sieht man schon eine ganze Menge!

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

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