Anbinden zur täglichen Pflege

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich gerate immer wieder an Pferde, die sich nicht gerne anhängen lassen. Damit meine ich jetzt nicht unbedingt Pferde, die sich gar nicht anbinden lassen, Stricke oder Karabiner abreißen, sondern auch jene, die sich dabei sichtlich unwohl fühlen. Leider stelle ich immer wieder fest, dass Besitzer oder andere Personen, die mit dem Pferd umgehen, dies nicht einmal zu merken scheinen, wenn sich das Pferd dabei nicht deutlich widersetzt.

Meiner Erfahrung nach zeigen Pferde meist einen ähnlichen Stufenplan wie er bei so mancher Ausbildung gelehrt wird. Dies führt von der Stufe 1 (höfliches dezentes Bitten/Aufmerksam machen) bis hin zur Stufe 4, wo dann schon eine heftige Reaktion erfolgt.

Manche Tiere mögen einfach nicht an einem Ring angebunden werden, wo ihnen durch die davor liegende Wand jede Sicht nach vorne und oft auch zur Seite genommen wird, stehen dafür aber in der Stallgasse, wo sie von beiden Seiten angebunden werden, ganz still. Bei einigen ist es wesentlich wo sie angebunden werden bzw. ob andere Pferde in der Nähe sind. Hier gibt es sicher ganz ganz viele Varianten und ich finde, es lohnt sich den Platz herauszufinden, wo sich das eigene Pferd doch ‚gerne‘ anhängen lässt. Wenn man sich vor Augen führt, dass das Pferd ja nicht ohne Grund ein gewisses Unwohlsein zeigt und sicher nicht die Absicht hat den Menschen durch sein Verhalten zu ärgern, ist man sicher bereit hier einen Kompromiss zu suchen.

Allerdings gibt es auch Pferde, die sich überhaupt nur sehr ungerne anhängen lassen. Habt ihr vielleicht schon einmal versucht diese Pferde an das freie stehenbleiben zu gewöhnen? Ich habe damit bis dato sehr gute Erfahrungen gemacht, man hat dadurch auch mehr Möglichkeiten und kann dabei das Pferd auch so hinstellen, dass es etwas sieht. Idealerweise übt man das zuerst einmal in einem abgeschlossenen Areal. So manch einer mag jetzt einwenden, dass das zu gefährlich sei, weil das Pferd ja ein Fluchttier ist usw. Ich denke, diese Entscheidung muss jeder für sich und sein Pferd treffen bzw. auch das Umfeld einbeziehen. Alternativ kann man beispielsweise auch einen längeren Strick verwenden und diesen in der Hand halten.

Wenn ein Pferd, das angebunden ist, sich schreckt – und da gehe ich jetzt einmal davon aus, dass es ein herkömmliches Stallhalfter dabei trägt – damit abrupt am Strick anreißt und der Karabiner nicht aufgeht, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es zu Schäden im Genickbereich kommt. Selbst wenn man es noch schafft den Karabiner zu lösen, wurde bis dahin die Panik des Pferdes durch den Schmerz noch verstärkt und es kommt zu einer heftigeren Reaktion.

Zwei Dinge liegen daher für mich auf der Hand

  • ein angebundenes Pferd (mit Stallhalfter und Strick mit Panikhaken) lasse ich niemals alleine stehen
  • Anbinden mit dem Knotenhalfter, das bekannterweise als äußerst scharf einzustufen ist, ist absolut tabu!

Auch bei Pferden, die man vorwiegend frei stehend pflegt, empfehle ich immer wieder auch das Anbinden und ruhige Stehenlassen zu üben. Aber dafür sucht man sich dann Tage aus, wo man  ausgeglichen ist, keinen Stress hat und sich dafür richtig Zeit nehmen kann. Ideal ist es sich zusätzlich sein Ziel, dh. das ruhig stehende Pferd zu visualisieren.

Ihr habt es vielleicht schon gemerkt, aber ich bin kein Freund von Strafen und Zwang.. Wann immer es unseren Pferden möglich ist, kooperieren sie mit uns.

IMG_0210  Panikhaken (kann auch unter Zug geöffnet werden)

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

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2 Gedanken zu „Anbinden zur täglichen Pflege

  1. Ja, das ist natürlich auch eine Möglichkeit – wir haben uns das Stehenbleiben ursprünglich spielerisch mit dem Clicker angeeignet (dabei trainiert auch das Weggehen), das klappt sehr gut

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