Ausrüstung beim Longieren

Der eine lässt sein Pferd am Stallhalfter an der Longe laufen, der andere verwendet das Knotenhalfter mit einem recht kurzen Seil, der nächste verwendet das Zaumzeug und schnallt die Zügel in den Sattelgurt..

Mein Bestreben ist es nicht zu urteilen was richtig oder falsch ist – ich möchte euch vielmehr versuchen zu erklären wieso für mich Longieren ausschließlich mit dem Kappzaum sinnvoll erscheint.

Der Kappzaum kann ein wunderbar feines Instrument sein, um dem Pferd Signale zu senden und man kann das Pferd damit ideal auf das Longieren vorbereiten. Wichtig ist allerdings, dass der Sitz korrekt ist. Aus meiner Sicht ist es wesentlich, dass der Kappzaum einen Ganaschenriemen trägt, der die Backenstücke vom Auge fernhält. Hinsichtlich der Ausführung des Nasenriemens gibt es verschiedenste Möglichkeiten – gut gepolstert ist natürlich eine feine Sache, andererseits sollte das Signal aber auch noch durchkommen… Wichtig ist mir allerdings immer, dass der Kappzaum nicht zu ’scharf‘ wird – dies kann man selbst testen, wenn man den Nasenriemen auf das (nackte) Schienbein legt und leicht bewegt. Wenn sich das unangenehm oder schmerzhaft anfühlt, sollte man zu einem anderen Modell greifen. Der Nasenriemen sollte etwa zwei Finger unterhalb des Jochbeins liegen. Meiner Erfahrung nach bieten nur aus Leder gefertigte Kappzäume eine passende Stabilität. Auch im Genickbereich kann ein Kappzaum scharf wirken, wenn er beispielsweise nicht über den empfohlenen Ganaschenriemen verfügt und damit die Einwirkung unmittelbar ans Genick übertragen wird oder der Riemen im Genickbereich sehr wenig Auflagefläche bietet. Im zweiten Fall kann man sich mit einem Fell o.ä. behelfen.

Ich möchte  noch kurz darauf eingehen wieso die eingangs genannten Varianten für mich beim longieren nicht in Frage kommen:

  • Stallhalfter: bietet keine Möglichkeit das Pferd zu stellen oder zu einem vorwärts-abwärts zu motivieren, daher rotieren die Pferde einfach nur ‚irgendwie‘ herum. Die meisten Pferde, die am Stallhalfter longiert werden, laufen mit deutlich nach außen zeigendem Kopf, der noch dazu sehr hoch getragen wird. D.h. diese Pferde gehen weder über den Rücken noch sind sie in der Lage auf der gebogenen Linie unter den Schwerpunkt zu treten. Je höher das Tempo, desto mehr muss das Pferd der Fliehkraft entgegenwirken… Zusätzlich gewährt ein Stallhalfter, wo die Longe hoffentlich seitlich eingeschnallt worden ist, kaum Einflußnahme, wenn das Pferd heftig werden sollte.
  • Knotenhalfter: bietet ebenfalls keine Möglichkeit das Pferd zu stellen, daher ‚rotieren‘ die Pferde ebenso wie beim Stallhalfter. Westernpferde, die oft am Knotenhalfter longiert werden, werden meist dazu erzogen in extrem ruhigem Tempo mit tiefer Kopfhaltung zu gehen – daher mag die Problematik beim longieren auf den ersten Blick nicht so leicht ersichtlich sein (geringeres Tempo, geringere Fliehkraft). Die Einflußnahme ist hier deutlich größer als bei Stallhalfter, damit allerdings auch die Gefahr, dass zu heftig eingewirkt wird. Das Knotenhalfter kann aus meiner Sicht ein perfektes Ausbildungsinstrument sein, aber ich empfinde es als sehr scharf und sehe es weder zum Anbinden noch zum Longieren als geeignetes Ausrüstungsteil – noch dazu ist beim Longieren die genaue Lage des Knotenhalfters zum Zeitpunkt der Einwirkung meist nicht unmittelbar bekannt!
  • Zaumzeug mit Gebiss:  meist wird hier die Longe einfach am inneren Gebissring eingehängt, manchmal auch über den inneren Gebissring und das Genick geführt und dann am äusseren Gebissring eingeschnallt oder auch mit dem ‚Frosch‘ verwendet – wie auch immer, für mich ist damit immer eine Einwirkung auf das Gebiss verbunden, die ich beim longieren vermeiden möchte (wenn ich mit Gebiss longieren möchte, dann verwende ich dennoch einen Kappzaum, wo ich die Longe einhänge).

Jedem, der an der Verwendung des Kappzaums beim Longieren ohne Hilfszügel Interesse hat, kann ich nur wärmstens die Longenkurse von Babette Teschen empfehlen.

Bitte achtet beim Longieren auch auf eure eigene Sicherheit! Auch das ruhigste Pferd kann sich mal schrecken, dh. ich rate dringend davon ab sich die Longe um die Finger/Hände zu wickeln und empfehle das Tragen von Handschuhen.

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

Longieren mit Kappzaum

vorwärts-abwärts longieren mit Kappzaum

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