Gleichgewicht…

Bei mir in der Wohnung steht meist ein Wäscheständer –  und da es halt so praktisch ist die Bügelwäsche oder auch die Teile zum Auslüften aufzuhängen, kommt halt ab und an ein Stück dazu. Gestern hing ich ein ganz leichtes Top drauf und ehe ich reagieren konnte, fiel das Ding um…

Zuerst war ich ein wenig genervt, doch dann wurde mir bewusst, dass es auch unseren Pferden leider oft so geht und dann ein vermeintlich ‚Miniteil‘ das System zum Kippen bringt und dieses Erlebnis das ganz anschaulich macht.

Am offensichtlichsten ist dieser Vergleich vermutlich, wenn man an ein Pferd denkt, das durch eine äußere Einwirkung zu Sturz kommt, doch ich denke, dass es hier noch andere vergleichbare Situationen gibt.

Da ist einerseits der Stoffwechsel unserer Pferde, der doch über einige Zeit Probleme kompensieren kann – insbesondere, wenn hier mit der Fütterung noch entsprechend unterstützt wird. Doch eines Tages kann quasi eine ‚Kleinigkeit‘ zur Entgleisung führen… Oft sehen wir also die Auswirkungen beispielsweise von schlechter Heuqualität erst später, wenn dann vielleicht gar kein unmittelbarer Zusammenhang mehr hergestellt werden kann.

Pferde sind sehr gut im ausgleichen, d.h. wenn sie ein Problem in einem Bereich haben, wird dieser geschont, nach außen hin möglichst nichts gezeigt – dadurch wird aber natürlich eine andere Region stärker belastet.. irgendwann reicht dann vielleicht eine kleine Unebenheit, um eine massiveres Problem auszulösen..

Nicht zu vergessen ist auch die psychische Komponente. Meist geht es dabei um irgendeine Form von Stress – sei es durch einen Stallwechsel, die Haltung, den Tagesablauf oder vielleicht auch den Verlust eines Freundes und auch dann kann ein kleiner Auslöser ausreichen, um das Pferd ‚krank‘ zu machen.

Auch wenn das Pferd über die Müdigkeitsgrenze hinaus belastet wird, steigt die Verletzungsgefahr exorbitant stark an und auch ein kleiner Sprung kann dann zu einer großen Läsion führen.

Je besser ihr euer Pferd kennt, desto eher werdet ihr die Zeichen erkennen und könnt dann hoffentlich rechtzeitig reagieren.

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich wie immer gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

 

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Fieber messen beim Pferd

Es gibt immer wieder Situationen, wo es sinnvoll ist die Temperatur des Pferdes zu messen, manchmal fragt ja auch der Tierarzt bereits beim telefonischen Erstkontakt danach. Damit ist klar, dass ein Thermometer ein ganz wichtiger Bestandteil der Stallapotheke darstellt.

Dazu ist es natürlich wesentlich zu wissen in welchem Rahmen sich die Körpertemperatur des Pferdes üblicherweise bewegt. Anders als beim Menschen wird eine Temperatur zwischen etwa 37,0 und 38,0 Grad als normal eingestuft (bei Fohlen ca. um 0,5 Grad höher). Ab 38,5° spricht man auch beim Pferd von Fieber. Eine Temperaturerhöhung kann auch durch Stress oder Schmerz verursacht werden. Absolut beunruhigend wäre jedoch eine Körpertemperatur unter 36 Grad, weil dies der Hinweis auf eine Schocksituation sein könnte (-> Tierarzt!!).

Die Messung erfolgt im After des Pferdes und mit den heutigen Geräten geht das schnell und ist bei den meisten Pferden auch kein Problem mehr. Aus Sicherheitsgründen sollte das Thermometer mit einem starken Faden gesichert werden. Wichtig ist, dass das Thermometer vorsichtig eingeführt wird und der Schweif dabei mit der anderen Hand gut festgehalten wird, dass sich das Pferd nicht beim abwehrenden Einklemmen des Schweifs selbst das Thermometer irgendwie unglücklich hineinrammen kann! Am besten, ihr lasst euch das Fieber messen von jemandem zeigen, der das schon öfter gemacht hat. In letzter Zeit gibt es auch immer öfter Erste Hilfe Kurse, die von Tierärzten angeboten werden.

Fiebermessen gelegentlich zu üben, ist wirklich empfehlenswert. Wenn sich ein Pferd im Afterbereich berühren lässt, ohne abzuwehren, kann man es beispielsweise vorsichtig mit Thermometer versuchen. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass man dann die ‚Normaltemperatur‘ des eigenen Pferdes kennt :-).

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

 

Stress bei Pferden

Nicht nur wir Menschen leiden in der heutigen Zeit vermehrt unter Stress, sondern leider auch unsere Pferde.

Zum Einstieg vielleicht einmal zwei wesentliche Aspekte:

  • Eigentlich ist unser Pferd dafür gemacht täglich lange Strecken im Schritt zurückzulegen und dabei laufend wenig nährstoffhaltige, aber balaststoffreiche Nahrung zu sich zu nehmen. Der gesamte Verdauungstrakt des Pferdes ist so ausgelegt aus aller aufgenommenen Nahrung das Maximum zu verwerten.
  • Pferde sind Herdentiere, können die Zugehörigkeit zu einer Gruppe in der Natur aber mehr oder minder frei wählen

Sehen wir uns im Vergleich dazu gleich einmal unsere heutigen Haltungsformen an. Viele Pferde werden in Boxen gehalten und bekommen hoffentlich zumindest für einige Stunden freien Auslauf, oft auch in Gruppen. Die Futterration und die Häufigkeit wird vom Menschen gesteuert. Wie oft wird dabei übersehen, dass ein Pferd als Dauerfresser nie mehr als vier Stunden Freßpause haben sollte? Der eindeutige Vorteil dieser Haltungsform ist sicherlich, dass das Pferd sich in den Zeiten in der Box ’sicher‘ fühlen und regenerieren kann. Andererseits kann auch ein unpassender Boxennachbar zu einem Streßfaktor werden. Ideal wäre es dann die Box (oder den Nachbarn) wechseln zu können, sollte dies nicht möglich sein, hilft eventuell zumindest ein teilweiser Sichtschutz zum ungeliebten Nachbarn.

Wenn Pferde in Offenställlen leben, würfeln letztlich wir Menschen die Gruppen aus Pferdesicht beliebig zusammen. Solange die Räumlichkeiten ausreichend groß dimensioniert sind und genügend Futter-, Trink- und Schlafstellen zur Verfügung stehen, kann das auch funktionieren. Der große Vorteil dabei ist natürlich, dass die Pferde sich in definiertem Rahmen frei bewegen können und oft auch 24h Raufutter zur Verfügung haben, was der Natur des Pferdes grundsätzlich entgegenkommt.

Pferde, die gestresst sind, leiden oft an Verdauungsstörungen – wie beispielsweise Kotwasser oder Blähungen.

Kürzlich wurde ich zufällig Zeuge einer für das Pferd stressigen Situation, die dem Besitzer aber gerade einmal ein ‚da muss er durch‘ entlockte: das Pferd stand angehängt alleine am Putzplatz und wurde durch ein plötzlich auftretendes Geräusch erschreckt. Als Fluchttier wollte es weg, konnte es aber nicht, weil es ja angebunden war. Zum Stress wegen der fehlenden Fluchtmöglichkeit kam auch noch die schmerzliche Einwirkung im Genick.

Auch Langeweile kann in Stress ausarten! Pferde sind von Natur aus entdeckungs- und experimentierfreudig. Das merkt man auch immer sehr deutlich, wenn man mit dem Pferd neue Dinge macht, wie beispielsweise bei der Bodenarbeit. Manchen Pferden wurde dies leider schon im Jugendalter verleidet und diese Pferde reagieren dann wiederum manchmal eher wieder gestresst auf neue Anforderungen.

Das Pferd kann auch durch Schmerzen gestresst werden. Warum? Es ist ein Fluchttier und als solches bei erkennbaren Schwächen eine leichte Beute. Manche Pferde zeigen äußerlich übrigens erst spät  Anzeichen für Schmerzempfinden wie beispielsweise Lahmheit. Das bedeutet im Umkehrschluß: nur weil das Pferd nicht lahmt, heißt das nicht zwangsweise, dass auch alles in Ordnung ist.

Pferde sind sehr sensibel und so kann auch Stress vom Besitzer auf das Pferd übertragen werden. Wenn Ihr beispielsweise abgehetzt nach einem harten Arbeitstag in den Stall kommt und noch schnell reiten wollt, wird das vermutlich nicht so gut klappen.

Manchmal haben auch unsere Pferde ‚einen schlechten Tag‘ oder können sich einfach nicht so gut konzentrieren – als Besitzer wissen wir ja oft nicht was gerade vorher vorgefallen ist. Gab es vielleicht eine Jagd in der Gegend und das Pferd befindet sich noch immer in Anspannung?

Pferde, die ihren Stress deutlich zum Ausdruck bringen – sei es in ihrer Mimik, durch häufiges Misten bzw. ihrem Fluchtverhalten sind als solche leicht zu erkennen. Allerdings gibt es extrem viele, nennen wir sie mal ‚passive Stresstypen‘, die äußerlich kaum wahrnehmbar reagieren. Das kann sich manchmal nur in einem leicht festgehaltenen Unterkiefer äußern, es kann aber auch sein, dass das Pferd komplett ‚abschaltet‘ und kaum mehr auf äußere Eindrücke zu reagieren scheint. Wenn sich ein Pferd in diese Richtung verändert (hat), sollte dies für den Besitzer das Signal sein sich auf die Suche nach der Ursache zu begeben.

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

 

Anmerkung: die genannten Stressfaktoren verstehen sich beispielhaft und sicher nicht vollständig…

 

Karotten…

Im Zuge meiner Kundenbesuche erkundige ich mich auch immer sehr genau wie die Pferde gefüttert werden. Sehr oft höre ich dann gerade jetzt im Herbst, dass es täglich mehrere Kilogramm Futterkarotten gibt, die teils sehr günstig zu bekommen sind…

Karotten enthalten viel Zucker und daher sollte man gerade im Herbst bei Pferden, die noch zusätzlich Weidezugang haben ganz besondere Vorsicht walten lassen. Gemäß Empfehlung von Experten sollten unsere Pferde generell nicht mehr als 2 bis max. 3 Karotten am Tag bekommen. Hufrehepferde sollten überhaupt keine Karotten bekommen!!

Dazu kommt noch, dass diese Futterkarotten meist aus herkömmlichem Anbau stammen und damit mit verschiedensten Schadstoffen angereichert sein können und damit auch eine starke Nitrat-Belastung aufweisen können.

Aus meiner Sicht ist generell Qualität vor Quantität zu wählen. Dh. in Bezug auf Karotten empfehle ich diese wirklich nur in geringen Mengen , dafür aber in Bio-Qualität zu verfüttern – außer bei Hufrehepferden, wo man die Karotten ganz weglassen sollte.

Eine Bio-Karotte ergibt, in Scheiben geschnitten, eine durchaus ansehnliche Anzahl an ‚Leckerlis’… und wenn ich das zum Clickern nutzen möchten, dann werden die Scheiben bei entsprechender Größe noch halbiert…

Die Karotte ist für mich kein Futtermittel, sondern ganz eindeutig ein Leckerli und sollte auch beim gesunden Pferd als solches betrachtet werden…

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

 

Update 5.3.2016: interessanter Artikel in der Pferderevue

Gras im Herbst…

Der Herbst ist für die Pferde wieder eine Zeit der Umstellung..

In den meisten Betrieben (egal ob Boxen- oder Offenstallhaltung) werden die Graskoppeln ab einem bestimmten Zeitpunkt quasi von heute auf morgen komplett geschlossen. Manche Pferde hatten vielleicht zuvor 24 Stunden am Tag Zugang zur Koppel – wir alle wissen, dass das vielleicht nicht für jedes Pferd geeignet ist, aber das ist ein anderes Thema… Ich persönlich halte es auch für wichtig, dass man im Herbst so etwas wie ein ‚abgrasen‘ durchführt. Damit meine ich, dass man zum Ausklingen der Koppel- und Grassaison mit dem Pferd noch eine Weile täglich an der Hand zum grasen geht, um auch diese Umstellung möglichst gleitend zu gestalten.

Ich persönlich finde es auch besser, wenn eine 24-Stunden-Koppel schon im Oktober geschlossen wird, wenn das Gras schon sehr kurz ist und die Nächte kälter werden. Dadurch könnte die Fruktan-Aufnahme zu manchen Zeiten trotz parallel angebotenem Heu für manche Pferde schon zum Problem werden.

Wenn ich hingegen mit meinem Pferd an der Hand zum grasen gehe, kann ich entscheiden wo, wann und wie lange ich es fressen lasse.. Auch hier gilt natürlich: es ist immer vorteilhaft vor einer Grasfütterung Heu zu reichen.

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

 

Druse – Vorsichtsmaßnahmen

In den letzten Jahren scheint sich die Druse zumindest in Österreich zu einem wiederkehrenden Problem zu entwickeln. Ich persönlich finde es erschreckend, dass selbst bei bestätigten Druse-Fällen in einigen Regionen alle pferdesportlichen Veranstaltungen weiterhin durchgeführt werden (und vielleicht die meisten Teilnehmer nichts von der Gefahr ahnen)… Zum Thema selbst habe ich heute einen Beitrag gefunden, wo man einige Informationen rund um die Druse findet:

https://www.facebook.com/tierklinikleimental/photos/a.193772544063661.42928.146381005469482/703546236419620/?type=1&theater

Allerdings vermisse ich dort leider ‚Vorsichtsmaßnahmen‘, dass man sich die Druse hoffentlich erst gar nicht in den eigenen Stall holt. Garantien gibt es keine, das ist mir bewusst, aber ich bin davon überzeugt, dass man mit einigen einfachen Maßnahmen auch als Pferdebesitzer (Einsteller) das Risiko minimieren kann:

  • JEDE FORM VON ‚STALLTOURISMUS‘ MEIDEN!! – damit meine ich jetzt einmal Personen, die rein privat von einem Stall zum nächsten fahren…
  • Ich persönlich meide in diesen Zeiten sämtliche Kurse und Turniere mit dem eigenen Pferd!
  • je besser das Immunsystem unserer Pferde ist, desto geringer ist die Chance einer Erkrankung -> möglichst pferdegerechte Haltung sicherstellen (auch bei Boxenhaltung mehrere Stunden Auslauf idealerweise in der Gruppe!), möglichst wenig Stress, moderate Arbeitsbelastung…
  • nach jedem Kontakt mit fremden Pferden: Kleidung (incl. Schuhe!) wechseln und Hände waschen
  • keinen direkten Nasen-Nasen-Kontakt mit fremden Pferden
  • in den ‚kritischen Zeiten‘ möglichst keine Besucher in den Stall einladen
  • alle Bekannten, die sich auch im Pferdeumfeld bewegen und räumlich im gefährdeten Gebiet beheimatet sind, informieren
  • nach externem Stallbesuch (Turnier) eigene Kleidung, Schuhe und Pferdezubehör reinigen (ACHTUNG: auch der Mensch kann die Druse an Kleidung oder Schuhen übertragen! – Vorsicht bitte auch, falls ihr euren Hund mithabt, auch dieser kann als Überträger fungieren!)
  • Pferde beim Ausreiten zumindest in den ‚kritischen Zeiten‘ nicht mit der Nase zum Boden lassen (weder zum Grasen noch zum ‚Zeitung lesen‘)
  • sollte es Drusefälle in der Gegend geben: bitte informiert eure Hufschmiede/Hufpfleger, Tierärzte, Trainer etc., damit diese ebenfalls Vorsichtsmaßnahmen treffen können
  • unterwegs das Pferd nur aus eigenen Eimern bzw. Trögen fressen lassen
  • Panikmache hilft uns allen nicht weiter, aber jeder einzelne Pferdebesitzer kann seinen Beitrag dazu leisten, dass die Verbreitung eingedämmt wird!

Ergänzung am 12.3.2015: nun gibt es auch offizielle Infos dazu: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=656578314472268&set=a.126166260846812.23324.100003603168776&type=1&theater

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

Aufwärmen

Das Aufwärmen scheint bei manchen Reitern nicht sehr beliebt zu sein… damit meine ich jetzt erst einmal das Aufwärmen des Pferdes. Leider sehe ich immer wieder Leute, die ihr Pferd aus der Box (!) holen und kurz nach Betreten des Reitplatzes/der Halle schon galoppieren..

Meines Erachtens nach brauchen Pferde einige Zeit, um ‚warm‘ zu werden und bis man einen Galopp oder gar Sprünge vom Pferd verlangt, sollte mindestens eine halbe Stunde Bewegung erfolgt sein.  Bei Pferden, die frisch aus der Box geholt werden, mag das ja noch für jeden verständlich erscheinen. Aber auch Pferde, die beispielsweise in einem Offenstall untergebracht sind, bewegen sich ja nicht permanent – nicht einmal, wenn es sich um einen sogenannten Aktivstall handelt oder wenn die Koppeln offen sind.. Die Pferde legen immer wieder Ruhepausen ein und stehen ein gutes Stück an Zeit permanent still und ruhen einfach. Daher ist es aus meiner Sicht IMMER nötig das Pferd vor dem Antraben ausreichend im Schritt zu bewegen, auch wenn das Pferd aus dem Offenstall oder von der Koppel geholt worden ist. Selbst wenn sich das Pferd vorher gut bewegt haben sollte, ist alleine durch das Putzen und Satteln eine deutliche Pause in der Bewegung eingetreten. Daher empfehle ich auch diese Pferde ganz normal aufzuwärmen – als Mindestmaß sind hier meiner Einschätzung nach 10 Minuten einzuplanen, aber je länger, desto besser. Falls ein Pferd schon etwas älter sein sollte oder gesundheitliche Probleme hat, empfehle ich mindestens 15 Minuten Schritt zum Aufwärmen. Und nicht zu vergessen: je kälter es wird, desto länger brauchen unsere Pferde, um ‚warm‘ für die Arbeit zu werden! Im Winter würde ich mindestens 20 Minuten Schritt einplanen, bevor ich mit den ersten Trabreprisen beginne.

Dies gilt übrigens auch, wenn ein Pferd longiert werden soll. Um alles ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten, empfehle ich gerade bei geplanter Longenarbeit, zuerst ein Stück mit dem Pferd an der Hand spazieren zu gehen, dann vielleicht mit ein paar einführenden Übungen auf die bevorstehende Longenarbeit weiterzumachen und erst nach ca. 30 Minuten mit der Trab- und später auch Galopparbeit an der Longe zu beginnen.

Dasselbe gilt übrigens auch für das Freilaufen.. ein Pferd aus der Box zu holen und dann unmittelbar in der Halle oder auf dem Platz laufen zu lassen, ist der Gesundheit des Tieres leider wirklich nicht zuträglich! Da braucht dann nur noch ein kurzer Ausrutscher dazukommen und so ist schnell ein richtiges gesundheitliches Problem entstanden :-(.

Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass wir auch als Reiter die PFLICHT haben uns aufzuwärmen, weil wir es dadurch unseren Pferden einfacher machen bzw. wie es eine Kursleiterin einmal formuliert hat: ‚das ist gelebter Tierschutz‘. Wenn man beispielsweise einen (oder mehrere) Kurse nach Eckart Meyners absolviert hat, kennt man seine eigenen Schwachstellen als Reiter ziemlich genau. Und man hat dann hoffentlich auch sehr genau definierte Aufwärmübungen von dem jeweiligen Trainer erhalten… Ich war in den Kursen oft wirklich verblüfft wie groß die Unterschiede an den Pferden zwischen vorher und nachher sichtbar waren, obwohl ’nur‘ ein paar Übungen mit dem Reiter dazwischenlagen. Unsere Pferde sind einfach genial und reagieren extrem schnell auf eine Verbesserung des Reiters :-).

Kürzlich hörte ich auch eine Aussage, die angeblich sogar wissenschaftlich fundiert sein soll: ein gut sitzender Reiter auf einem schlecht passenden Sattel ist für ein Pferd angenehmer als umgekehrt. Für mich bedeutet das, dass ich mehr Augenmerk auf mich und meinen Sitz legen werde – ohne dabei einen grundsätzlich passenden Sattel zu vernachlässigen… Beim Centered Riding lernt man ja, dass man 75 % auf sich selbst richten soll und nur 25 % auf das Pferd. Damit muss man natürlich auch die Fehler zuerst einmal bei sich suchen.. Oder noch einfacher: man erinnert sich einfach an eine Übung, wo man sich stark konzentrieren muss und plötzlich beginnt das Pferd wie von selbst ‚rund‘ zu laufen.

Wir können es nicht leugnen – unsere Pferde reagieren oft ganz extrem auf uns – das mag einmal positiv sein, dann wieder für uns negativ. Pferde spiegeln vielleicht auch unsere eigenen körperlichen Probleme – wenn der Reiter beispielsweise eine Blockade im ISG (Iliosacralgelenk) hat, dann zeigt das Pferd üblicherweise ebenso in diesem Bereich ein Problem. Sobald die Blockade beim Reiter gelöst ist, kann auch das Pferd wieder ‚rund‘ galoppieren. Jedem, der das nicht glauben mag, kann ich nur dringend ans Herz legen einmal zumindest bei einem Eckart Meyners Kurs zuzuschauen. Da sieht man schon eine ganze Menge!

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde