Stress bei Pferden

Nicht nur wir Menschen leiden in der heutigen Zeit vermehrt unter Stress, sondern leider auch unsere Pferde.

Zum Einstieg vielleicht einmal zwei wesentliche Aspekte:

  • Eigentlich ist unser Pferd dafür gemacht täglich lange Strecken im Schritt zurückzulegen und dabei laufend wenig nährstoffhaltige, aber balaststoffreiche Nahrung zu sich zu nehmen. Der gesamte Verdauungstrakt des Pferdes ist so ausgelegt aus aller aufgenommenen Nahrung das Maximum zu verwerten.
  • Pferde sind Herdentiere, können die Zugehörigkeit zu einer Gruppe in der Natur aber mehr oder minder frei wählen

Sehen wir uns im Vergleich dazu gleich einmal unsere heutigen Haltungsformen an. Viele Pferde werden in Boxen gehalten und bekommen hoffentlich zumindest für einige Stunden freien Auslauf, oft auch in Gruppen. Die Futterration und die Häufigkeit wird vom Menschen gesteuert. Wie oft wird dabei übersehen, dass ein Pferd als Dauerfresser nie mehr als vier Stunden Freßpause haben sollte? Der eindeutige Vorteil dieser Haltungsform ist sicherlich, dass das Pferd sich in den Zeiten in der Box ’sicher‘ fühlen und regenerieren kann. Andererseits kann auch ein unpassender Boxennachbar zu einem Streßfaktor werden. Ideal wäre es dann die Box (oder den Nachbarn) wechseln zu können, sollte dies nicht möglich sein, hilft eventuell zumindest ein teilweiser Sichtschutz zum ungeliebten Nachbarn.

Wenn Pferde in Offenställlen leben, würfeln letztlich wir Menschen die Gruppen aus Pferdesicht beliebig zusammen. Solange die Räumlichkeiten ausreichend groß dimensioniert sind und genügend Futter-, Trink- und Schlafstellen zur Verfügung stehen, kann das auch funktionieren. Der große Vorteil dabei ist natürlich, dass die Pferde sich in definiertem Rahmen frei bewegen können und oft auch 24h Raufutter zur Verfügung haben, was der Natur des Pferdes grundsätzlich entgegenkommt.

Pferde, die gestresst sind, leiden oft an Verdauungsstörungen – wie beispielsweise Kotwasser oder Blähungen.

Kürzlich wurde ich zufällig Zeuge einer für das Pferd stressigen Situation, die dem Besitzer aber gerade einmal ein ‚da muss er durch‘ entlockte: das Pferd stand angehängt alleine am Putzplatz und wurde durch ein plötzlich auftretendes Geräusch erschreckt. Als Fluchttier wollte es weg, konnte es aber nicht, weil es ja angebunden war. Zum Stress wegen der fehlenden Fluchtmöglichkeit kam auch noch die schmerzliche Einwirkung im Genick.

Auch Langeweile kann in Stress ausarten! Pferde sind von Natur aus entdeckungs- und experimentierfreudig. Das merkt man auch immer sehr deutlich, wenn man mit dem Pferd neue Dinge macht, wie beispielsweise bei der Bodenarbeit. Manchen Pferden wurde dies leider schon im Jugendalter verleidet und diese Pferde reagieren dann wiederum manchmal eher wieder gestresst auf neue Anforderungen.

Das Pferd kann auch durch Schmerzen gestresst werden. Warum? Es ist ein Fluchttier und als solches bei erkennbaren Schwächen eine leichte Beute. Manche Pferde zeigen äußerlich übrigens erst spät  Anzeichen für Schmerzempfinden wie beispielsweise Lahmheit. Das bedeutet im Umkehrschluß: nur weil das Pferd nicht lahmt, heißt das nicht zwangsweise, dass auch alles in Ordnung ist.

Pferde sind sehr sensibel und so kann auch Stress vom Besitzer auf das Pferd übertragen werden. Wenn Ihr beispielsweise abgehetzt nach einem harten Arbeitstag in den Stall kommt und noch schnell reiten wollt, wird das vermutlich nicht so gut klappen.

Manchmal haben auch unsere Pferde ‚einen schlechten Tag‘ oder können sich einfach nicht so gut konzentrieren – als Besitzer wissen wir ja oft nicht was gerade vorher vorgefallen ist. Gab es vielleicht eine Jagd in der Gegend und das Pferd befindet sich noch immer in Anspannung?

Pferde, die ihren Stress deutlich zum Ausdruck bringen – sei es in ihrer Mimik, durch häufiges Misten bzw. ihrem Fluchtverhalten sind als solche leicht zu erkennen. Allerdings gibt es extrem viele, nennen wir sie mal ‚passive Stresstypen‘, die äußerlich kaum wahrnehmbar reagieren. Das kann sich manchmal nur in einem leicht festgehaltenen Unterkiefer äußern, es kann aber auch sein, dass das Pferd komplett ‚abschaltet‘ und kaum mehr auf äußere Eindrücke zu reagieren scheint. Wenn sich ein Pferd in diese Richtung verändert (hat), sollte dies für den Besitzer das Signal sein sich auf die Suche nach der Ursache zu begeben.

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

 

Anmerkung: die genannten Stressfaktoren verstehen sich beispielhaft und sicher nicht vollständig…

 

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Karotten…

Im Zuge meiner Kundenbesuche erkundige ich mich auch immer sehr genau wie die Pferde gefüttert werden. Sehr oft höre ich dann gerade jetzt im Herbst, dass es täglich mehrere Kilogramm Futterkarotten gibt, die teils sehr günstig zu bekommen sind…

Karotten enthalten viel Zucker und daher sollte man gerade im Herbst bei Pferden, die noch zusätzlich Weidezugang haben ganz besondere Vorsicht walten lassen. Gemäß Empfehlung von Experten sollten unsere Pferde generell nicht mehr als 2 bis max. 3 Karotten am Tag bekommen. Hufrehepferde sollten überhaupt keine Karotten bekommen!!

Dazu kommt noch, dass diese Futterkarotten meist aus herkömmlichem Anbau stammen und damit mit verschiedensten Schadstoffen angereichert sein können und damit auch eine starke Nitrat-Belastung aufweisen können.

Aus meiner Sicht ist generell Qualität vor Quantität zu wählen. Dh. in Bezug auf Karotten empfehle ich diese wirklich nur in geringen Mengen , dafür aber in Bio-Qualität zu verfüttern – außer bei Hufrehepferden, wo man die Karotten ganz weglassen sollte.

Eine Bio-Karotte ergibt, in Scheiben geschnitten, eine durchaus ansehnliche Anzahl an ‚Leckerlis’… und wenn ich das zum Clickern nutzen möchten, dann werden die Scheiben bei entsprechender Größe noch halbiert…

Die Karotte ist für mich kein Futtermittel, sondern ganz eindeutig ein Leckerli und sollte auch beim gesunden Pferd als solches betrachtet werden…

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

 

Update 5.3.2016: interessanter Artikel in der Pferderevue

Gras im Herbst…

Der Herbst ist für die Pferde wieder eine Zeit der Umstellung..

In den meisten Betrieben (egal ob Boxen- oder Offenstallhaltung) werden die Graskoppeln ab einem bestimmten Zeitpunkt quasi von heute auf morgen komplett geschlossen. Manche Pferde hatten vielleicht zuvor 24 Stunden am Tag Zugang zur Koppel – wir alle wissen, dass das vielleicht nicht für jedes Pferd geeignet ist, aber das ist ein anderes Thema… Ich persönlich halte es auch für wichtig, dass man im Herbst so etwas wie ein ‚abgrasen‘ durchführt. Damit meine ich, dass man zum Ausklingen der Koppel- und Grassaison mit dem Pferd noch eine Weile täglich an der Hand zum grasen geht, um auch diese Umstellung möglichst gleitend zu gestalten.

Ich persönlich finde es auch besser, wenn eine 24-Stunden-Koppel schon im Oktober geschlossen wird, wenn das Gras schon sehr kurz ist und die Nächte kälter werden. Dadurch könnte die Fruktan-Aufnahme zu manchen Zeiten trotz parallel angebotenem Heu für manche Pferde schon zum Problem werden.

Wenn ich hingegen mit meinem Pferd an der Hand zum grasen gehe, kann ich entscheiden wo, wann und wie lange ich es fressen lasse.. Auch hier gilt natürlich: es ist immer vorteilhaft vor einer Grasfütterung Heu zu reichen.

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

 

Hitze

Wir erleben derzeit gerade eine recht warme, oft sogar heiße Zeit. Unsere Pferde vertragen Hitze bei weitem nicht so gut wie Kälte. Die Ursache liegt darin begründet, dass die Körperoberfläche im Vergleich zur Körpermasse recht gering ist – auch wenn das vielleicht eigenartig klingen mag.

Mancher Pferdebesitzer versucht seinem Pferd durch Abduschen mit kaltem Wasser eine Abkühlung zukommen zu lassen. Wichtig ist hier grundsätzlich immer langsam bei den Beinen mit dem Abspritzen zu beginnen und zwar idealerweise rechts hinten. Zuerst die Hinterbeine kühlen und dann vorne rechts weitermachen, links vorne dann als letztes Bein und hier bitte vorsichtig nach oben gehen. Die meisten Pferde mögen es nicht, wenn sie am Körper mit kaltem Wasser abgespritzt werden und zeigen dies auch mehr oder minder deutlich. Wohingegen ein ‚Abschwammen‘ mit lauwarmen Wasser von vielen Pferden auch am Körper gerne angenommen wird. In dieser Zeit sind ja auch die Insekten meist besonders aktiv und Pferde, die viel draußen und vielleicht ein wenig empfindlich sind, reagieren mit ‚Dippeln‘. Hier hat es sich bewährt, wenn man die Pferde täglich mit Essigwasser abschwammt.

Gerade in diesen Zeiten ist es besonders wichtig, dass die Pferde wirklich rund um die Uhr ausreichend Zugang zu frischem, qualitativ einwandfreiem Wasser haben! Wasser ist für das Pferd hinsichtlich des Verdauungstraktes und Stoffwechsels essentiell, aber ganz besonders auch hinsichtlich der Thermoregulation. Es gilt auch zu berücksichtigen, dass in Offenställen mit größerem Pferdebestand wirklich ausreichend Tränker zur Verfügung stehen, dass auch die rangniederen Tiere ihren Wasserbedarf stressfrei decken können. – Ein einfacher Check, ob das Pferd unter Dehydrierung leidet: zieht eine Falte am Hals und schaut wie lange es dauert bis sich diese wieder glättet – eigentlich sollte das sofort geschehen.

Ein Salzleckstein gehört mittlerweile hoffentlich zur Standardausstattung jeder Box bzw. jeden Offenstalls. Aber gerade in der heißen Zeit sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass dieser für alle Pferde jederzeit zugänglich ist/sind.

Die Arbeitsbelastung für das Pferd wird wohl ohnedies jeder verantwortungsvolle Reiter zurücknehmen, wenn das Thermometer Temperaturen jenseits der 35 Grad zeigt.. – die individuelle Grenze für das eigene Pferd kennt jeder selbst am besten und es gibt viele Pferde, wo schon unter 30 Grad besser Schonung angesagt ist..

Ganz besonders sollte man natürlich auf ältere Pferde Rücksicht nehmen, die oft ganz stark unter der Hitze und den Temperaturschwankungen leiden. Auch hier kann man das nicht über das Alter definieren, da spielen ganz viele Faktoren eine Rolle.

Aber ganz generell würde ich alle Pferde in so heißen Phasen jeden Tag ganz besonders genau ‚anschauen‘. Manch einer kennt sein Pferd sehr genau und merkt ganz schnell, wenn etwas aus dem Lot ist.. Sonst kann ich nur empfehlen ein paar wichtige Parameter vom eigenen Pferd im Normalzustand zu prüfen, um dann ggf. Abweichungen feststellen zu können: Puls, Atmung und Temperatur sind wichtige Anhaltspunkte – beim erwachsenen Pferd gilt erst eine Temperatur über 38,5 Grad als Fieber. Um den Kreislauf zu prüfen, kann man auf das Zahnfleisch drücken und prüfen wie lange es dauert bis die Druckstelle wieder dieselbe Farbe hat wie vorher (sollte unter 3 sec. liegen).

Wichtig ist gerade auch in dieser Phase eine ausgewogene Versorgung mit Mineralstoffen und bei intensiver Arbeit ggf. auch mit Elektrolyten. Insgesamt empfehle ich gerade in der heißen Zeit darauf zu achten, dass das Futter leichtverdaulich ist und den Stoffwechsel des Pferdes nicht belastet.

Ach ja und dann wäre mir persönlich noch ein Anliegen, dass alle, die auch an heißen Tagen mit einem Pferd umgehen sich zumindest feste Schuhe anziehen, insbesonders, wenn sie mit Pferden hantieren, die beschlagen sind. So versiert jemand auch sein mag und wie ruhig ein Pferd auch scheinen mag – das Pferd bleibt letztlich ein Fluchttier und wer schon einmal einen Fuß gesehen hat, auf dem ein beschlagener Huf ungeschützt gedreht hat, der wird dieses Risiko künftig nicht mehr leichtfertig eingehen! Wenn ich sehe, dass manch einer Flip-Flops oder gleich barfuß speziell zum beschlagenen Pferd geht, das sich oft auch noch wild gegen Insekten wehrt, kann ich immer nur hoffen, dass alles gut ausgeht…

Ich hoffe, ihr und eure Pferde kommen gut durch die heiße Zeit!

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

Clickerkurs mit Babette Teschen

Meine Motivation zum Kursbesuch war die Kursleiterin Babette Teschen, die ich letztes Jahr beim Bodenarbeits- und Longenkurs kennenlernen durfte. Die Art von Babette mit Pferden umzugehen und vor allem auf Pferde einzugehen, hat mich vom ersten Augenblick an fasziniert.

Wir waren nur wenige Kursteilnehmer, die erleben durften wie perfekt man Clickertraining auch zur Lösung von Alltagsproblemen einsetzen kann. Babette ist wie gewohnt auf jedes Pferd sehr individuell eingegangen und hat passende Übungen vorgeschlagen. Wenn beispielsweise ein Pferd aufgeregt oder gehfreudig war, dann wurden entsprechend ‚bewegungsaktive‘ Übungen ausgeführt und erst später, wenn ein wenig mehr Ruhe eingekehrt ist, wurden wichtige Basics zum Thema Höflichkeit, Futtertraining, Stehenbleiben etc. erarbeitet.

Ich war total beeindruckt wie gut man das Clickern zur Lösung von alltäglichen Problemen verwenden kann und werde dies künftig sicherlich auch bei meiner Arbeit einsetzen. ‚Babette hat uns im Rahmen dieses Kurses auch gezeigt wie gut man mit dem Clicker gerade ein wenig heftigere Pferde auch sehr gut an das korrekte und ruhige Longieren heranführen kann.

Für mich war das wieder ein ganz besonderer Kurs mit vielen tollen Anregungen, die sicherlich auch meinen Kunden zugute kommen. Babette arbeitet auch abseits vom Clickern viel mit positiver Verstärkung und liegt damit voll auf meiner Linie. In diesem Kurs wurde wieder deutlich wie schnell und gerne Pferde mit dieser Methode lernen.

Schön anzusehen war es natürlich auch immer, wenn Pferde auf ‚Spiele‘ voll eingestiegen sind und gar keine Bestätigung mehr brauchten, weil das Spiel selbst ihnen Spass machte… – ich denke hier an Pferde, die nach kurzer ‚Anlernphase‘ mit dem Clicker von sich aus einem großen Ball nachrannten und jede Richtungsänderung sofort mitmachten…

Fazit: ich bin mit den Erwartungen zum Kurs gefahren wieder eine ganz tolle Pferdefrau live erleben zu dürfen und bin mit ganz neuen Ideen in der Pferdeausbildung nach Hause gekommen.

Vielen Dank an Claudia Wobornik (Seminart.at), die diese und andere tolle Kurse auch nach Oberösterreich bringt.

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

Umstellung auf Barhuf

Manch ein Pferdebesitzer plant die Umstellung von Beschlag auf Barhuf. Doch wann ist dafür der ‚richtige‘ Zeitpunkt und wie kann dieser Wunsch hoffentlich erfolgreich umgesetzt werden?

Wie Ihr vielleicht schon vermutet, ist es äußerst schwierig einen allgemein gültigen Zeitpunkt für die Umstellung zu definieren. Sehr oft wird der Herbst als idealer Umstellungszeitpunkt genannt, aber ich denke, auch da hängt es von vielen Faktoren ab…

Gleich vorab möchte ich erwähnen, dass man für die Umstellung auf Barhuf Geduld mitbringen sollte. Ich persönlich würde schon in der Zeit, wo man die Eisenabnahme ins Auge fasst, empfehlen einen Barhufbearbeiter (bzw. einen Schmied, der viel Barhuferfahrung hat) hinzuziehen, der sich die Hufe ansieht und seine Meinung bzw. Empfehlungen zur Umstellung einzuholen. Evtl. könnte es sinnvoll sein sich bereits im Vorfeld für die erste Zeit Hufschuhe anpassen zu lassen.

Die Eisenabnahme und erste Barhufbearbeitung würde ich in jedem Fall von jemandem vornehmen lassen, der mit Barhufen vertraut ist. Meist werden Pferde, die bisher vorne und hinten beschlagen waren, beim ersten Mal nur vorne oder hinten auf barhuf umgestellt. Manchmal wird als Übergangslösung auch ein Klebebeschlag eingesetzt. Hier kann ich nur empfehlen sich jemanden zu suchen, der wirklich Erfahrung hat und dessen Rat dann zu vertrauen.

War man früher gewohnt, dass man den Schmied so alle 6 bis 8 Wochen brauchte, sollte man sich gerade in der Anfangszeit darauf einrichten, dass der Barhufpfleger max. alle vier Wochen draufschauen sollte. Die ersten Intervalle können vielleicht noch kürzer sein.

Der ideale Umstellungszeitpunkt des jeweiligen Pferdes hängt sehr stark vom allgemeinen Zustand, der Haltung und Reitanforderungen ab.  Bei einem Pferd, das vielleicht noch im Fellwechsel steckt und im Frühjahr angegrast wird, würde ich beispielsweise keine Umstellung auf barhuf ins Auge fassen. Auch den Faktor Stress, zB. durch Stallwechsel oder Integration in eine neue Gruppe, würde ich nicht unberücksichtigt lassen.

Generell sollte man immer berücksichtigen, dass der Huf quasi als Ausscheidungsorgan tätig ist. Daher ist eine regelmäßige Bewegung für unsere Pferde enorm wichtig, da sonst Stoffwechselabfälle den Organismus stark beeinträchtigen können. Gerade ein Barhufpferd sollte auch immer mit verschiedensten Böden konfrontiert werden, damit der Huf dann auch entsprechend den Anforderungen ausgeprägt werden kann.

Ganz besonders wichtig für Barhufpferde ist auch ausreichende Feuchtigkeit. Damit meine ich nicht, dass man die Hufe täglich ölen oder fetten soll, nein, die Hufe brauchen einfach nur Wasser. Eine gute Methode, um den Huf zu befeuchten ist beispielsweise das Pferd auf eine befestigte Fläche zu stellen, den Boden nass zu machen und das Pferd dann z.B. während des Putzens einfach dort stehen zu lassen.

Toi Toi Toi,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

Ausrüstung beim Longieren

Der eine lässt sein Pferd am Stallhalfter an der Longe laufen, der andere verwendet das Knotenhalfter mit einem recht kurzen Seil, der nächste verwendet das Zaumzeug und schnallt die Zügel in den Sattelgurt..

Mein Bestreben ist es nicht zu urteilen was richtig oder falsch ist – ich möchte euch vielmehr versuchen zu erklären wieso für mich Longieren ausschließlich mit dem Kappzaum sinnvoll erscheint.

Der Kappzaum kann ein wunderbar feines Instrument sein, um dem Pferd Signale zu senden und man kann das Pferd damit ideal auf das Longieren vorbereiten. Wichtig ist allerdings, dass der Sitz korrekt ist. Aus meiner Sicht ist es wesentlich, dass der Kappzaum einen Ganaschenriemen trägt, der die Backenstücke vom Auge fernhält. Hinsichtlich der Ausführung des Nasenriemens gibt es verschiedenste Möglichkeiten – gut gepolstert ist natürlich eine feine Sache, andererseits sollte das Signal aber auch noch durchkommen… Wichtig ist mir allerdings immer, dass der Kappzaum nicht zu ’scharf‘ wird – dies kann man selbst testen, wenn man den Nasenriemen auf das (nackte) Schienbein legt und leicht bewegt. Wenn sich das unangenehm oder schmerzhaft anfühlt, sollte man zu einem anderen Modell greifen. Der Nasenriemen sollte etwa zwei Finger unterhalb des Jochbeins liegen. Meiner Erfahrung nach bieten nur aus Leder gefertigte Kappzäume eine passende Stabilität. Auch im Genickbereich kann ein Kappzaum scharf wirken, wenn er beispielsweise nicht über den empfohlenen Ganaschenriemen verfügt und damit die Einwirkung unmittelbar ans Genick übertragen wird oder der Riemen im Genickbereich sehr wenig Auflagefläche bietet. Im zweiten Fall kann man sich mit einem Fell o.ä. behelfen.

Ich möchte  noch kurz darauf eingehen wieso die eingangs genannten Varianten für mich beim longieren nicht in Frage kommen:

  • Stallhalfter: bietet keine Möglichkeit das Pferd zu stellen oder zu einem vorwärts-abwärts zu motivieren, daher rotieren die Pferde einfach nur ‚irgendwie‘ herum. Die meisten Pferde, die am Stallhalfter longiert werden, laufen mit deutlich nach außen zeigendem Kopf, der noch dazu sehr hoch getragen wird. D.h. diese Pferde gehen weder über den Rücken noch sind sie in der Lage auf der gebogenen Linie unter den Schwerpunkt zu treten. Je höher das Tempo, desto mehr muss das Pferd der Fliehkraft entgegenwirken… Zusätzlich gewährt ein Stallhalfter, wo die Longe hoffentlich seitlich eingeschnallt worden ist, kaum Einflußnahme, wenn das Pferd heftig werden sollte.
  • Knotenhalfter: bietet ebenfalls keine Möglichkeit das Pferd zu stellen, daher ‚rotieren‘ die Pferde ebenso wie beim Stallhalfter. Westernpferde, die oft am Knotenhalfter longiert werden, werden meist dazu erzogen in extrem ruhigem Tempo mit tiefer Kopfhaltung zu gehen – daher mag die Problematik beim longieren auf den ersten Blick nicht so leicht ersichtlich sein (geringeres Tempo, geringere Fliehkraft). Die Einflußnahme ist hier deutlich größer als bei Stallhalfter, damit allerdings auch die Gefahr, dass zu heftig eingewirkt wird. Das Knotenhalfter kann aus meiner Sicht ein perfektes Ausbildungsinstrument sein, aber ich empfinde es als sehr scharf und sehe es weder zum Anbinden noch zum Longieren als geeignetes Ausrüstungsteil – noch dazu ist beim Longieren die genaue Lage des Knotenhalfters zum Zeitpunkt der Einwirkung meist nicht unmittelbar bekannt!
  • Zaumzeug mit Gebiss:  meist wird hier die Longe einfach am inneren Gebissring eingehängt, manchmal auch über den inneren Gebissring und das Genick geführt und dann am äusseren Gebissring eingeschnallt oder auch mit dem ‚Frosch‘ verwendet – wie auch immer, für mich ist damit immer eine Einwirkung auf das Gebiss verbunden, die ich beim longieren vermeiden möchte (wenn ich mit Gebiss longieren möchte, dann verwende ich dennoch einen Kappzaum, wo ich die Longe einhänge).

Jedem, der an der Verwendung des Kappzaums beim Longieren ohne Hilfszügel Interesse hat, kann ich nur wärmstens die Longenkurse von Babette Teschen empfehlen.

Bitte achtet beim Longieren auch auf eure eigene Sicherheit! Auch das ruhigste Pferd kann sich mal schrecken, dh. ich rate dringend davon ab sich die Longe um die Finger/Hände zu wickeln und empfehle das Tragen von Handschuhen.

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

Longieren mit Kappzaum

vorwärts-abwärts longieren mit Kappzaum