Hitze

Wir erleben derzeit gerade eine recht warme, oft sogar heiße Zeit. Unsere Pferde vertragen Hitze bei weitem nicht so gut wie Kälte. Die Ursache liegt darin begründet, dass die Körperoberfläche im Vergleich zur Körpermasse recht gering ist – auch wenn das vielleicht eigenartig klingen mag.

Mancher Pferdebesitzer versucht seinem Pferd durch Abduschen mit kaltem Wasser eine Abkühlung zukommen zu lassen. Wichtig ist hier grundsätzlich immer langsam bei den Beinen mit dem Abspritzen zu beginnen und zwar idealerweise rechts hinten. Zuerst die Hinterbeine kühlen und dann vorne rechts weitermachen, links vorne dann als letztes Bein und hier bitte vorsichtig nach oben gehen. Die meisten Pferde mögen es nicht, wenn sie am Körper mit kaltem Wasser abgespritzt werden und zeigen dies auch mehr oder minder deutlich. Wohingegen ein ‚Abschwammen‘ mit lauwarmen Wasser von vielen Pferden auch am Körper gerne angenommen wird. In dieser Zeit sind ja auch die Insekten meist besonders aktiv und Pferde, die viel draußen und vielleicht ein wenig empfindlich sind, reagieren mit ‚Dippeln‘. Hier hat es sich bewährt, wenn man die Pferde täglich mit Essigwasser abschwammt.

Gerade in diesen Zeiten ist es besonders wichtig, dass die Pferde wirklich rund um die Uhr ausreichend Zugang zu frischem, qualitativ einwandfreiem Wasser haben! Wasser ist für das Pferd hinsichtlich des Verdauungstraktes und Stoffwechsels essentiell, aber ganz besonders auch hinsichtlich der Thermoregulation. Es gilt auch zu berücksichtigen, dass in Offenställen mit größerem Pferdebestand wirklich ausreichend Tränker zur Verfügung stehen, dass auch die rangniederen Tiere ihren Wasserbedarf stressfrei decken können. – Ein einfacher Check, ob das Pferd unter Dehydrierung leidet: zieht eine Falte am Hals und schaut wie lange es dauert bis sich diese wieder glättet – eigentlich sollte das sofort geschehen.

Ein Salzleckstein gehört mittlerweile hoffentlich zur Standardausstattung jeder Box bzw. jeden Offenstalls. Aber gerade in der heißen Zeit sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass dieser für alle Pferde jederzeit zugänglich ist/sind.

Die Arbeitsbelastung für das Pferd wird wohl ohnedies jeder verantwortungsvolle Reiter zurücknehmen, wenn das Thermometer Temperaturen jenseits der 35 Grad zeigt.. – die individuelle Grenze für das eigene Pferd kennt jeder selbst am besten und es gibt viele Pferde, wo schon unter 30 Grad besser Schonung angesagt ist..

Ganz besonders sollte man natürlich auf ältere Pferde Rücksicht nehmen, die oft ganz stark unter der Hitze und den Temperaturschwankungen leiden. Auch hier kann man das nicht über das Alter definieren, da spielen ganz viele Faktoren eine Rolle.

Aber ganz generell würde ich alle Pferde in so heißen Phasen jeden Tag ganz besonders genau ‚anschauen‘. Manch einer kennt sein Pferd sehr genau und merkt ganz schnell, wenn etwas aus dem Lot ist.. Sonst kann ich nur empfehlen ein paar wichtige Parameter vom eigenen Pferd im Normalzustand zu prüfen, um dann ggf. Abweichungen feststellen zu können: Puls, Atmung und Temperatur sind wichtige Anhaltspunkte – beim erwachsenen Pferd gilt erst eine Temperatur über 38,5 Grad als Fieber. Um den Kreislauf zu prüfen, kann man auf das Zahnfleisch drücken und prüfen wie lange es dauert bis die Druckstelle wieder dieselbe Farbe hat wie vorher (sollte unter 3 sec. liegen).

Wichtig ist gerade auch in dieser Phase eine ausgewogene Versorgung mit Mineralstoffen und bei intensiver Arbeit ggf. auch mit Elektrolyten. Insgesamt empfehle ich gerade in der heißen Zeit darauf zu achten, dass das Futter leichtverdaulich ist und den Stoffwechsel des Pferdes nicht belastet.

Ach ja und dann wäre mir persönlich noch ein Anliegen, dass alle, die auch an heißen Tagen mit einem Pferd umgehen sich zumindest feste Schuhe anziehen, insbesonders, wenn sie mit Pferden hantieren, die beschlagen sind. So versiert jemand auch sein mag und wie ruhig ein Pferd auch scheinen mag – das Pferd bleibt letztlich ein Fluchttier und wer schon einmal einen Fuß gesehen hat, auf dem ein beschlagener Huf ungeschützt gedreht hat, der wird dieses Risiko künftig nicht mehr leichtfertig eingehen! Wenn ich sehe, dass manch einer Flip-Flops oder gleich barfuß speziell zum beschlagenen Pferd geht, das sich oft auch noch wild gegen Insekten wehrt, kann ich immer nur hoffen, dass alles gut ausgeht…

Ich hoffe, ihr und eure Pferde kommen gut durch die heiße Zeit!

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

Clickerkurs mit Babette Teschen

Meine Motivation zum Kursbesuch war die Kursleiterin Babette Teschen, die ich letztes Jahr beim Bodenarbeits- und Longenkurs kennenlernen durfte. Die Art von Babette mit Pferden umzugehen und vor allem auf Pferde einzugehen, hat mich vom ersten Augenblick an fasziniert.

Wir waren nur wenige Kursteilnehmer, die erleben durften wie perfekt man Clickertraining auch zur Lösung von Alltagsproblemen einsetzen kann. Babette ist wie gewohnt auf jedes Pferd sehr individuell eingegangen und hat passende Übungen vorgeschlagen. Wenn beispielsweise ein Pferd aufgeregt oder gehfreudig war, dann wurden entsprechend ‚bewegungsaktive‘ Übungen ausgeführt und erst später, wenn ein wenig mehr Ruhe eingekehrt ist, wurden wichtige Basics zum Thema Höflichkeit, Futtertraining, Stehenbleiben etc. erarbeitet.

Ich war total beeindruckt wie gut man das Clickern zur Lösung von alltäglichen Problemen verwenden kann und werde dies künftig sicherlich auch bei meiner Arbeit einsetzen. ‚Babette hat uns im Rahmen dieses Kurses auch gezeigt wie gut man mit dem Clicker gerade ein wenig heftigere Pferde auch sehr gut an das korrekte und ruhige Longieren heranführen kann.

Für mich war das wieder ein ganz besonderer Kurs mit vielen tollen Anregungen, die sicherlich auch meinen Kunden zugute kommen. Babette arbeitet auch abseits vom Clickern viel mit positiver Verstärkung und liegt damit voll auf meiner Linie. In diesem Kurs wurde wieder deutlich wie schnell und gerne Pferde mit dieser Methode lernen.

Schön anzusehen war es natürlich auch immer, wenn Pferde auf ‚Spiele‘ voll eingestiegen sind und gar keine Bestätigung mehr brauchten, weil das Spiel selbst ihnen Spass machte… – ich denke hier an Pferde, die nach kurzer ‚Anlernphase‘ mit dem Clicker von sich aus einem großen Ball nachrannten und jede Richtungsänderung sofort mitmachten…

Fazit: ich bin mit den Erwartungen zum Kurs gefahren wieder eine ganz tolle Pferdefrau live erleben zu dürfen und bin mit ganz neuen Ideen in der Pferdeausbildung nach Hause gekommen.

Vielen Dank an Claudia Wobornik (Seminart.at), die diese und andere tolle Kurse auch nach Oberösterreich bringt.

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

Umstellung auf Barhuf

Manch ein Pferdebesitzer plant die Umstellung von Beschlag auf Barhuf. Doch wann ist dafür der ‚richtige‘ Zeitpunkt und wie kann dieser Wunsch hoffentlich erfolgreich umgesetzt werden?

Wie Ihr vielleicht schon vermutet, ist es äußerst schwierig einen allgemein gültigen Zeitpunkt für die Umstellung zu definieren. Sehr oft wird der Herbst als idealer Umstellungszeitpunkt genannt, aber ich denke, auch da hängt es von vielen Faktoren ab…

Gleich vorab möchte ich erwähnen, dass man für die Umstellung auf Barhuf Geduld mitbringen sollte. Ich persönlich würde schon in der Zeit, wo man die Eisenabnahme ins Auge fasst, empfehlen einen Barhufbearbeiter (bzw. einen Schmied, der viel Barhuferfahrung hat) hinzuziehen, der sich die Hufe ansieht und seine Meinung bzw. Empfehlungen zur Umstellung einzuholen. Evtl. könnte es sinnvoll sein sich bereits im Vorfeld für die erste Zeit Hufschuhe anpassen zu lassen.

Die Eisenabnahme und erste Barhufbearbeitung würde ich in jedem Fall von jemandem vornehmen lassen, der mit Barhufen vertraut ist. Meist werden Pferde, die bisher vorne und hinten beschlagen waren, beim ersten Mal nur vorne oder hinten auf barhuf umgestellt. Manchmal wird als Übergangslösung auch ein Klebebeschlag eingesetzt. Hier kann ich nur empfehlen sich jemanden zu suchen, der wirklich Erfahrung hat und dessen Rat dann zu vertrauen.

War man früher gewohnt, dass man den Schmied so alle 6 bis 8 Wochen brauchte, sollte man sich gerade in der Anfangszeit darauf einrichten, dass der Barhufpfleger max. alle vier Wochen draufschauen sollte. Die ersten Intervalle können vielleicht noch kürzer sein.

Der ideale Umstellungszeitpunkt des jeweiligen Pferdes hängt sehr stark vom allgemeinen Zustand, der Haltung und Reitanforderungen ab.  Bei einem Pferd, das vielleicht noch im Fellwechsel steckt und im Frühjahr angegrast wird, würde ich beispielsweise keine Umstellung auf barhuf ins Auge fassen. Auch den Faktor Stress, zB. durch Stallwechsel oder Integration in eine neue Gruppe, würde ich nicht unberücksichtigt lassen.

Generell sollte man immer berücksichtigen, dass der Huf quasi als Ausscheidungsorgan tätig ist. Daher ist eine regelmäßige Bewegung für unsere Pferde enorm wichtig, da sonst Stoffwechselabfälle den Organismus stark beeinträchtigen können. Gerade ein Barhufpferd sollte auch immer mit verschiedensten Böden konfrontiert werden, damit der Huf dann auch entsprechend den Anforderungen ausgeprägt werden kann.

Ganz besonders wichtig für Barhufpferde ist auch ausreichende Feuchtigkeit. Damit meine ich nicht, dass man die Hufe täglich ölen oder fetten soll, nein, die Hufe brauchen einfach nur Wasser. Eine gute Methode, um den Huf zu befeuchten ist beispielsweise das Pferd auf eine befestigte Fläche zu stellen, den Boden nass zu machen und das Pferd dann z.B. während des Putzens einfach dort stehen zu lassen.

Toi Toi Toi,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

Ausrüstung beim Longieren

Der eine lässt sein Pferd am Stallhalfter an der Longe laufen, der andere verwendet das Knotenhalfter mit einem recht kurzen Seil, der nächste verwendet das Zaumzeug und schnallt die Zügel in den Sattelgurt..

Mein Bestreben ist es nicht zu urteilen was richtig oder falsch ist – ich möchte euch vielmehr versuchen zu erklären wieso für mich Longieren ausschließlich mit dem Kappzaum sinnvoll erscheint.

Der Kappzaum kann ein wunderbar feines Instrument sein, um dem Pferd Signale zu senden und man kann das Pferd damit ideal auf das Longieren vorbereiten. Wichtig ist allerdings, dass der Sitz korrekt ist. Aus meiner Sicht ist es wesentlich, dass der Kappzaum einen Ganaschenriemen trägt, der die Backenstücke vom Auge fernhält. Hinsichtlich der Ausführung des Nasenriemens gibt es verschiedenste Möglichkeiten – gut gepolstert ist natürlich eine feine Sache, andererseits sollte das Signal aber auch noch durchkommen… Wichtig ist mir allerdings immer, dass der Kappzaum nicht zu ’scharf‘ wird – dies kann man selbst testen, wenn man den Nasenriemen auf das (nackte) Schienbein legt und leicht bewegt. Wenn sich das unangenehm oder schmerzhaft anfühlt, sollte man zu einem anderen Modell greifen. Der Nasenriemen sollte etwa zwei Finger unterhalb des Jochbeins liegen. Meiner Erfahrung nach bieten nur aus Leder gefertigte Kappzäume eine passende Stabilität. Auch im Genickbereich kann ein Kappzaum scharf wirken, wenn er beispielsweise nicht über den empfohlenen Ganaschenriemen verfügt und damit die Einwirkung unmittelbar ans Genick übertragen wird oder der Riemen im Genickbereich sehr wenig Auflagefläche bietet. Im zweiten Fall kann man sich mit einem Fell o.ä. behelfen.

Ich möchte  noch kurz darauf eingehen wieso die eingangs genannten Varianten für mich beim longieren nicht in Frage kommen:

  • Stallhalfter: bietet keine Möglichkeit das Pferd zu stellen oder zu einem vorwärts-abwärts zu motivieren, daher rotieren die Pferde einfach nur ‚irgendwie‘ herum. Die meisten Pferde, die am Stallhalfter longiert werden, laufen mit deutlich nach außen zeigendem Kopf, der noch dazu sehr hoch getragen wird. D.h. diese Pferde gehen weder über den Rücken noch sind sie in der Lage auf der gebogenen Linie unter den Schwerpunkt zu treten. Je höher das Tempo, desto mehr muss das Pferd der Fliehkraft entgegenwirken… Zusätzlich gewährt ein Stallhalfter, wo die Longe hoffentlich seitlich eingeschnallt worden ist, kaum Einflußnahme, wenn das Pferd heftig werden sollte.
  • Knotenhalfter: bietet ebenfalls keine Möglichkeit das Pferd zu stellen, daher ‚rotieren‘ die Pferde ebenso wie beim Stallhalfter. Westernpferde, die oft am Knotenhalfter longiert werden, werden meist dazu erzogen in extrem ruhigem Tempo mit tiefer Kopfhaltung zu gehen – daher mag die Problematik beim longieren auf den ersten Blick nicht so leicht ersichtlich sein (geringeres Tempo, geringere Fliehkraft). Die Einflußnahme ist hier deutlich größer als bei Stallhalfter, damit allerdings auch die Gefahr, dass zu heftig eingewirkt wird. Das Knotenhalfter kann aus meiner Sicht ein perfektes Ausbildungsinstrument sein, aber ich empfinde es als sehr scharf und sehe es weder zum Anbinden noch zum Longieren als geeignetes Ausrüstungsteil – noch dazu ist beim Longieren die genaue Lage des Knotenhalfters zum Zeitpunkt der Einwirkung meist nicht unmittelbar bekannt!
  • Zaumzeug mit Gebiss:  meist wird hier die Longe einfach am inneren Gebissring eingehängt, manchmal auch über den inneren Gebissring und das Genick geführt und dann am äusseren Gebissring eingeschnallt oder auch mit dem ‚Frosch‘ verwendet – wie auch immer, für mich ist damit immer eine Einwirkung auf das Gebiss verbunden, die ich beim longieren vermeiden möchte (wenn ich mit Gebiss longieren möchte, dann verwende ich dennoch einen Kappzaum, wo ich die Longe einhänge).

Jedem, der an der Verwendung des Kappzaums beim Longieren ohne Hilfszügel Interesse hat, kann ich nur wärmstens die Longenkurse von Babette Teschen empfehlen.

Bitte achtet beim Longieren auch auf eure eigene Sicherheit! Auch das ruhigste Pferd kann sich mal schrecken, dh. ich rate dringend davon ab sich die Longe um die Finger/Hände zu wickeln und empfehle das Tragen von Handschuhen.

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

Longieren mit Kappzaum

vorwärts-abwärts longieren mit Kappzaum

Anweiden im Frühjahr

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Der Frühling gibt schon kräftige Lebenszeichen von sich, das Gras beginnt bereits zu wachsen und jeder wartet schon auf den Beginn der Koppelsaison. Zuvor sollte man aber sein Pferd behutsam an das Gras gewöhnen.

Ich empfehle die Pferde an der Hand anzugrasen, insbesonders wenn man sein Pferd in einem Betrieb eingestellt hat. Dabei beginne ich mit 5 bis max. 10 Minuten, die ich einige Tage lang beibehalte. Frühestens nach vier Tagen beginne ich die Intervalle langsam zu steigern. Wichtig ist, dass man sich hier wirklich Zeit nimmt und das auch täglich macht und dabei gerade anfangs auch immer die Zeit im Auge behält.

Mein Plan für ein Warmblut sieht vor das Anweiden mindestens über drei, besser vier Wochen hinweg täglich durchzuführen (es könnte sein, dass euer Pferd/Pony noch empfindlicher ist und somit mit kürzeren Einheiten begonnen werden sollte!!):

  • in der ersten Woche beginnend bei 5-10 Min. bis zum Ende auf 10-15 Min. steigern
  • zweite Woche beginnend mit 10-15 auf 20-30 Min. steigern
  • dritte Woche beginnend mit 20-30 Min. auf 60 Min. steigern
  • vierte Woche beginnend mit 60 Min. auf 120 Min. steigern

Wichtig ist es, wenn die Pferde vor dem grasen/Koppelgang satt Heu bekommen  – das wäre auch gerade zu Beginn der Koppelsaison sehr wichtig! Kraftfuttergaben sollten hingegen direkt vor dem Koppelgang vermieden werden. Wie generell jede Futterumstellung sollte auch das Angrasen möglichst langsam vollzogen werden.

Das Frühjahrsgras ist reich an Eiweiß und Kohledydraten, insbesonders Fruktan. Zu viel Eiweiß belastet den Stoffwechsel und damit Leber und Niere. Fruktan gilt mittlerweile als DER Auslöser für Hufrehe. Daher ist es wichtig zu wissen wann die Fruktankonzentration besonders hoch ist: kalte Nächte mit anschliessendem Sonnenschein lassen das Gras kaum wachsen, bedeuten aber eine sehr hohe Fruktanreicherung. Generell sollte man nach kalten Nächten Vorsicht walten lassen und evtl. die tägliche Graszeit wieder verkürzen. An diesen Tagen sollte man die Pferde in den eher kühlen Morgenstunden nicht grasen lassen.

Je kürzer das Gras ist, desto höher die Fruktankonzentration. Ideal wäre es die Koppelsaison erst zu eröffnen, wenn das Gras bereits eine Länge von ca. 20 cm erreicht hat. Je später die Pferde auf die Weide kommen, desto weniger Eiweiß enthält das Gras, dafür wird es rohfaserreicher, was dem Pferd entgegenkommt.

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

PPS (30.4.2015): viele unserer Pferde kommen nur bei Schönwetter bzw. trockenem Boden auf die Koppel – es wäre wichtig, dass die Pferde an den dazwischenliegenden Tagen auch regelmäßig Gras fressen können. Dh. ich empfehle, dass man an den ’schlechten Tagen‘ dazwischen mit den Pferden an der Hand zum grasen geht – mind. eine halbe Stunde.

Spazierengehen

Früher wäre es mir nie im Leben eingefallen mit meinem Pferd an der Hand spazieren zu gehen.. spazierengehen mit dem Pferd war für mich ein gemütlicher Ausritt.

Heute sieht das anders aus. Gerade im Winter ist ja der Boden oft nicht so top, die Temperaturen sind auch eher niedrig. Dann bietet sich das spazierengehen an der Hand ganz besonders an. Der Führende bleibt in Bewegung und friert nicht und für das Pferd kann das Spazierenführen eine willkommene Abwechslung zum sonstigen Programm bieten. Man kann – wie auch beim Ausreiten – unterwegs vieles mit seinem Pferd üben, immer wieder einmal dazwischen eingestreut und bringt dadurch mehr Selbstverständlichkeit in die Übungen. Die Pferde lernen dabei auch besser auf den Menschen zu ‚hören‘. Natürlich ist es eine gänzlich andere Situation, als wenn man am Platz Bodenarbeit mit dem Pferd macht. Draussen kann man dann in manchen Konstellationen feststellen welche Basis man aufgrund der bisherigen Arbeit gerade hat.

Meine persönliche Empfehlung für solche Spaziergänge wäre aus Sicherheitsgründen entweder einen Kappzaum mit Longe oder ein Knotenhalfter mit einem mind. 4 m langen Seil zu verwenden. Der Kappzaum mit der Longe wäre meine bevorzugte Variante, weil dabei eine gute Einwirkung erzielt werden kann, andererseits aber die Verletzungsgefahr für das Pferd im Falle einer Flucht aus meiner Sicht nicht so hoch ist wie beim extrem scharfen Knotenhalfter. Wenn man ein Pferd aus welchem Grund auch immer nicht mehr halten kann und es läuft mit Knotenhalfter und Seil (beides ja meist sehr massiv und auch mit entsprechendem Karabiner) frei, tritt auf das Seil, dann möchte ich die Folgen mit dem Knotenhalfter ehrlich gesagt nicht wissen… Selbstverständlich ist auch ein Kappzaum sicher nicht ohne, wenn das Pferd frei läuft und auf die Longe tritt, aber bei einem guten Kappzaum sollte sich die Einwirkung besser verteilen und nicht so punktuell wirken. Zusätzlich denke ich, dass die Möglichkeiten ein Pferd mit Kappzaum und Longe zu halten besser sind, als mit Knotenhalfter und Seil.

Spazierengehen am Stallhalfter mit dem kurzen Anbindestrick birgt aus meiner Sicht immer Risiko in sich:

  • einerseits hat man durch das Stallhalfter kaum eine Einwirkung auf das Pferd, wenn es sich schreckt und
  • zweitens hat das Pferd durch den extrem kurzen Strick kaum die Möglichkeit sich mal kurz zu schrecken und trotzdem noch im Einflussbereich des Menschen zu bleiben

Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass das Pferd die Möglichkeit hat auch einmal einen Satz zur Seite zu machen (ich denke, das ist einfach eine ganz normale Reaktion, die man einplanen muss). Verwendet man eine Longe oder ein längeres Seil, dann ist diese Möglichkeit gegeben. Mit dem kurzen Anbindestrick stößt man hier allerdings rasch an Grenzen.

Ich kann es jedem Pferdebesitzer nur empfehlen auch das Spazierengehen an der Hand zu praktizieren bzw. auch zu üben – man weiß nie welche Anforderungen noch einen zukommen und wenn sich ein Pferd brav führen lässt und das auch gewöhnt ist, hat man dann manchmal eine Sorge weniger…

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

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Anbinden zur täglichen Pflege

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich gerate immer wieder an Pferde, die sich nicht gerne anhängen lassen. Damit meine ich jetzt nicht unbedingt Pferde, die sich gar nicht anbinden lassen, Stricke oder Karabiner abreißen, sondern auch jene, die sich dabei sichtlich unwohl fühlen. Leider stelle ich immer wieder fest, dass Besitzer oder andere Personen, die mit dem Pferd umgehen, dies nicht einmal zu merken scheinen, wenn sich das Pferd dabei nicht deutlich widersetzt.

Meiner Erfahrung nach zeigen Pferde meist einen ähnlichen Stufenplan wie er bei so mancher Ausbildung gelehrt wird. Dies führt von der Stufe 1 (höfliches dezentes Bitten/Aufmerksam machen) bis hin zur Stufe 4, wo dann schon eine heftige Reaktion erfolgt.

Manche Tiere mögen einfach nicht an einem Ring angebunden werden, wo ihnen durch die davor liegende Wand jede Sicht nach vorne und oft auch zur Seite genommen wird, stehen dafür aber in der Stallgasse, wo sie von beiden Seiten angebunden werden, ganz still. Bei einigen ist es wesentlich wo sie angebunden werden bzw. ob andere Pferde in der Nähe sind. Hier gibt es sicher ganz ganz viele Varianten und ich finde, es lohnt sich den Platz herauszufinden, wo sich das eigene Pferd doch ‚gerne‘ anhängen lässt. Wenn man sich vor Augen führt, dass das Pferd ja nicht ohne Grund ein gewisses Unwohlsein zeigt und sicher nicht die Absicht hat den Menschen durch sein Verhalten zu ärgern, ist man sicher bereit hier einen Kompromiss zu suchen.

Allerdings gibt es auch Pferde, die sich überhaupt nur sehr ungerne anhängen lassen. Habt ihr vielleicht schon einmal versucht diese Pferde an das freie stehenbleiben zu gewöhnen? Ich habe damit bis dato sehr gute Erfahrungen gemacht, man hat dadurch auch mehr Möglichkeiten und kann dabei das Pferd auch so hinstellen, dass es etwas sieht. Idealerweise übt man das zuerst einmal in einem abgeschlossenen Areal. So manch einer mag jetzt einwenden, dass das zu gefährlich sei, weil das Pferd ja ein Fluchttier ist usw. Ich denke, diese Entscheidung muss jeder für sich und sein Pferd treffen bzw. auch das Umfeld einbeziehen. Alternativ kann man beispielsweise auch einen längeren Strick verwenden und diesen in der Hand halten.

Wenn ein Pferd, das angebunden ist, sich schreckt – und da gehe ich jetzt einmal davon aus, dass es ein herkömmliches Stallhalfter dabei trägt – damit abrupt am Strick anreißt und der Karabiner nicht aufgeht, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es zu Schäden im Genickbereich kommt. Selbst wenn man es noch schafft den Karabiner zu lösen, wurde bis dahin die Panik des Pferdes durch den Schmerz noch verstärkt und es kommt zu einer heftigeren Reaktion.

Zwei Dinge liegen daher für mich auf der Hand

  • ein angebundenes Pferd (mit Stallhalfter und Strick mit Panikhaken) lasse ich niemals alleine stehen
  • Anbinden mit dem Knotenhalfter, das bekannterweise als äußerst scharf einzustufen ist, ist absolut tabu!

Auch bei Pferden, die man vorwiegend frei stehend pflegt, empfehle ich immer wieder auch das Anbinden und ruhige Stehenlassen zu üben. Aber dafür sucht man sich dann Tage aus, wo man  ausgeglichen ist, keinen Stress hat und sich dafür richtig Zeit nehmen kann. Ideal ist es sich zusätzlich sein Ziel, dh. das ruhig stehende Pferd zu visualisieren.

Ihr habt es vielleicht schon gemerkt, aber ich bin kein Freund von Strafen und Zwang.. Wann immer es unseren Pferden möglich ist, kooperieren sie mit uns.

IMG_0210  Panikhaken (kann auch unter Zug geöffnet werden)

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

Druse – Vorsichtsmaßnahmen

In den letzten Jahren scheint sich die Druse zumindest in Österreich zu einem wiederkehrenden Problem zu entwickeln. Ich persönlich finde es erschreckend, dass selbst bei bestätigten Druse-Fällen in einigen Regionen alle pferdesportlichen Veranstaltungen weiterhin durchgeführt werden (und vielleicht die meisten Teilnehmer nichts von der Gefahr ahnen)… Zum Thema selbst habe ich heute einen Beitrag gefunden, wo man einige Informationen rund um die Druse findet:

https://www.facebook.com/tierklinikleimental/photos/a.193772544063661.42928.146381005469482/703546236419620/?type=1&theater

Allerdings vermisse ich dort leider ‚Vorsichtsmaßnahmen‘, dass man sich die Druse hoffentlich erst gar nicht in den eigenen Stall holt. Garantien gibt es keine, das ist mir bewusst, aber ich bin davon überzeugt, dass man mit einigen einfachen Maßnahmen auch als Pferdebesitzer (Einsteller) das Risiko minimieren kann:

  • JEDE FORM VON ‚STALLTOURISMUS‘ MEIDEN!! – damit meine ich jetzt einmal Personen, die rein privat von einem Stall zum nächsten fahren…
  • Ich persönlich meide in diesen Zeiten sämtliche Kurse und Turniere mit dem eigenen Pferd!
  • je besser das Immunsystem unserer Pferde ist, desto geringer ist die Chance einer Erkrankung -> möglichst pferdegerechte Haltung sicherstellen (auch bei Boxenhaltung mehrere Stunden Auslauf idealerweise in der Gruppe!), möglichst wenig Stress, moderate Arbeitsbelastung…
  • nach jedem Kontakt mit fremden Pferden: Kleidung (incl. Schuhe!) wechseln und Hände waschen
  • keinen direkten Nasen-Nasen-Kontakt mit fremden Pferden
  • in den ‚kritischen Zeiten‘ möglichst keine Besucher in den Stall einladen
  • alle Bekannten, die sich auch im Pferdeumfeld bewegen und räumlich im gefährdeten Gebiet beheimatet sind, informieren
  • nach externem Stallbesuch (Turnier) eigene Kleidung, Schuhe und Pferdezubehör reinigen (ACHTUNG: auch der Mensch kann die Druse an Kleidung oder Schuhen übertragen! – Vorsicht bitte auch, falls ihr euren Hund mithabt, auch dieser kann als Überträger fungieren!)
  • Pferde beim Ausreiten zumindest in den ‚kritischen Zeiten‘ nicht mit der Nase zum Boden lassen (weder zum Grasen noch zum ‚Zeitung lesen‘)
  • sollte es Drusefälle in der Gegend geben: bitte informiert eure Hufschmiede/Hufpfleger, Tierärzte, Trainer etc., damit diese ebenfalls Vorsichtsmaßnahmen treffen können
  • unterwegs das Pferd nur aus eigenen Eimern bzw. Trögen fressen lassen
  • Panikmache hilft uns allen nicht weiter, aber jeder einzelne Pferdebesitzer kann seinen Beitrag dazu leisten, dass die Verbreitung eingedämmt wird!

Ergänzung am 12.3.2015: nun gibt es auch offizielle Infos dazu: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=656578314472268&set=a.126166260846812.23324.100003603168776&type=1&theater

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

Aufwärmen

Das Aufwärmen scheint bei manchen Reitern nicht sehr beliebt zu sein… damit meine ich jetzt erst einmal das Aufwärmen des Pferdes. Leider sehe ich immer wieder Leute, die ihr Pferd aus der Box (!) holen und kurz nach Betreten des Reitplatzes/der Halle schon galoppieren..

Meines Erachtens nach brauchen Pferde einige Zeit, um ‚warm‘ zu werden und bis man einen Galopp oder gar Sprünge vom Pferd verlangt, sollte mindestens eine halbe Stunde Bewegung erfolgt sein.  Bei Pferden, die frisch aus der Box geholt werden, mag das ja noch für jeden verständlich erscheinen. Aber auch Pferde, die beispielsweise in einem Offenstall untergebracht sind, bewegen sich ja nicht permanent – nicht einmal, wenn es sich um einen sogenannten Aktivstall handelt oder wenn die Koppeln offen sind.. Die Pferde legen immer wieder Ruhepausen ein und stehen ein gutes Stück an Zeit permanent still und ruhen einfach. Daher ist es aus meiner Sicht IMMER nötig das Pferd vor dem Antraben ausreichend im Schritt zu bewegen, auch wenn das Pferd aus dem Offenstall oder von der Koppel geholt worden ist. Selbst wenn sich das Pferd vorher gut bewegt haben sollte, ist alleine durch das Putzen und Satteln eine deutliche Pause in der Bewegung eingetreten. Daher empfehle ich auch diese Pferde ganz normal aufzuwärmen – als Mindestmaß sind hier meiner Einschätzung nach 10 Minuten einzuplanen, aber je länger, desto besser. Falls ein Pferd schon etwas älter sein sollte oder gesundheitliche Probleme hat, empfehle ich mindestens 15 Minuten Schritt zum Aufwärmen. Und nicht zu vergessen: je kälter es wird, desto länger brauchen unsere Pferde, um ‚warm‘ für die Arbeit zu werden! Im Winter würde ich mindestens 20 Minuten Schritt einplanen, bevor ich mit den ersten Trabreprisen beginne.

Dies gilt übrigens auch, wenn ein Pferd longiert werden soll. Um alles ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten, empfehle ich gerade bei geplanter Longenarbeit, zuerst ein Stück mit dem Pferd an der Hand spazieren zu gehen, dann vielleicht mit ein paar einführenden Übungen auf die bevorstehende Longenarbeit weiterzumachen und erst nach ca. 30 Minuten mit der Trab- und später auch Galopparbeit an der Longe zu beginnen.

Dasselbe gilt übrigens auch für das Freilaufen.. ein Pferd aus der Box zu holen und dann unmittelbar in der Halle oder auf dem Platz laufen zu lassen, ist der Gesundheit des Tieres leider wirklich nicht zuträglich! Da braucht dann nur noch ein kurzer Ausrutscher dazukommen und so ist schnell ein richtiges gesundheitliches Problem entstanden :-(.

Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass wir auch als Reiter die PFLICHT haben uns aufzuwärmen, weil wir es dadurch unseren Pferden einfacher machen bzw. wie es eine Kursleiterin einmal formuliert hat: ‚das ist gelebter Tierschutz‘. Wenn man beispielsweise einen (oder mehrere) Kurse nach Eckart Meyners absolviert hat, kennt man seine eigenen Schwachstellen als Reiter ziemlich genau. Und man hat dann hoffentlich auch sehr genau definierte Aufwärmübungen von dem jeweiligen Trainer erhalten… Ich war in den Kursen oft wirklich verblüfft wie groß die Unterschiede an den Pferden zwischen vorher und nachher sichtbar waren, obwohl ’nur‘ ein paar Übungen mit dem Reiter dazwischenlagen. Unsere Pferde sind einfach genial und reagieren extrem schnell auf eine Verbesserung des Reiters :-).

Kürzlich hörte ich auch eine Aussage, die angeblich sogar wissenschaftlich fundiert sein soll: ein gut sitzender Reiter auf einem schlecht passenden Sattel ist für ein Pferd angenehmer als umgekehrt. Für mich bedeutet das, dass ich mehr Augenmerk auf mich und meinen Sitz legen werde – ohne dabei einen grundsätzlich passenden Sattel zu vernachlässigen… Beim Centered Riding lernt man ja, dass man 75 % auf sich selbst richten soll und nur 25 % auf das Pferd. Damit muss man natürlich auch die Fehler zuerst einmal bei sich suchen.. Oder noch einfacher: man erinnert sich einfach an eine Übung, wo man sich stark konzentrieren muss und plötzlich beginnt das Pferd wie von selbst ‚rund‘ zu laufen.

Wir können es nicht leugnen – unsere Pferde reagieren oft ganz extrem auf uns – das mag einmal positiv sein, dann wieder für uns negativ. Pferde spiegeln vielleicht auch unsere eigenen körperlichen Probleme – wenn der Reiter beispielsweise eine Blockade im ISG (Iliosacralgelenk) hat, dann zeigt das Pferd üblicherweise ebenso in diesem Bereich ein Problem. Sobald die Blockade beim Reiter gelöst ist, kann auch das Pferd wieder ‚rund‘ galoppieren. Jedem, der das nicht glauben mag, kann ich nur dringend ans Herz legen einmal zumindest bei einem Eckart Meyners Kurs zuzuschauen. Da sieht man schon eine ganze Menge!

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde

Gedanken zur Heufütterung

20141215-_MG_8659Ein Wildpferd bewegt sich auf Nahrungssuche viele Stunden am Tag langsam fort und nimmt dabei Gräser, Kräuter, Blätter, Zweige, Wurzeln, Früchte, Nüsse und Samen auf.

In krassem Gegensatz dazu steht das Boxenpferd, das manchmal sogar 23 Stunden auf sehr engem Raum verbringen muss. Dann ist das Futterangebot oft auch noch sehr stark kraftfutterlastig ausgelegt. Das führt dazu, dass die Pferde sehr viel Energie in sehr kurzer Zeit aufnehmen und zusätzlich noch sehr wenig Kauschläge dafür benötigen. Für Kraftfutter werden pro kg 800 bis 1200 Kauschläge benötigt für Rauhfutter hingegen 3000 bis 3500! Wenn man nun aber weiß, dass die Anzahl der Kauschläge am Tag dafür ausschlaggebend sind, ob sich ein Pferd ausgeglichen fühlt, kann man durchaus nachvollziehen, dass weniger Rauhfutter zu aggressiverem Verhalten führt. Das erklärt vielleicht wieso sich in den meisten Boxenställen nur vollvergitterte Trennwände zu den Nachbarn bewähren..

Der Magen unserer Pferde ist im Verhältnis sehr klein und hat nur ein Fassungsvermögen von etwa 15 Litern. Bei natürlicher Ernährung (Wildpferd) ist er nie leer. Deshalb hat es die Natur wohl auch so eingerichtet, dass die Produktion von Salzsäure im hinteren Bereich des Magens permanent erfolgt. In einem Kurs wurde mir das einmal sehr anschaulich erklärt. Dort wo die Salzsäure gebildet wird, ist die Magenschleimhaut entsprechend stark ausgebildet, dass die Säure nichts anrichten kann. Man kann sich im leeren Pferdemagen wirklich als ‚Säuresee‘ vorstellen. Wenn so ein Pferd (mit leerem Magen, aber eben diesem ‚Säuresee‘) nun bewegt wird, dann ’schwappt‘ die Säure in einen Bereich, der dafür nicht vorgesehen ist und dementsprechend nicht den entsprechenden Schutz aufweist. Dies kann zu Magengeschwüren führen. Heute geht man davon aus, dass mindestens 60 % der Pferde unter Magengeschwüren leiden. Mir ist durchaus bewusst, dass auch noch andere Faktoren zum Entstehen von Magengeschwüren beitragen. Aber wenn man die einfache Regel, dass ein Pferd NIE LÄNGER ALS VIER STUNDEN OHNE RAUHFUTTER sein sollte und dazu noch beachtet, dass man ein Pferd mit leerem Magen nicht schneller als im Schritt bewegen sollte, wäre ein erster Schritt getan. Wenn man ein Pferd von einem Matschauslauf holt und weiß, dass die letzten vier Stunden nichts zum Fressen da war, dann wäre es aus meiner Sicht gelebter Tierschutz dem Pferd etwas Rauhfutter zu geben und die Reiterei um eine Stunde zu verschieben.

Übrigens unterscheidet sich auch die Fressdauer von je 1 kg von 8 – 15 min. für Kraftfutter bis zu 40 – 50 min. bei Rauhfutter, dh. das Pferd ist beim Fressen von 1 kg Heu viel länger beschäftigt und es entspricht viel eher den natürlichen Gegebenheiten.

Wenn man sich einmal intensiver mit der Verdauung des Pferdes auseinandersetzt, erkennt man, dass alles dazu ausgelegt ist aus aller Nahrung jeglichen Inhaltsstoff herauszufiltern und letztlich nur das Unverdauliche auszuscheiden. Das erklärt aber gleichzeitig auch wieso es so wichtig ist, dass wir unsere Pferde mit möglichst hochwertigen Futtermitteln, damit meine ich vorrangig HEU, mit möglichst geringer Schadstoffbelastung füttern. Als Richtmenge sollten die 1,5 bis 2 kg Heu pro Tag und 100 kg Körpergewicht herangezogen werden. Pferde, die im Offenstall leben und vielleicht auch wenig Kraftfutter bekommen, haben in der kälteren Jahreszeit vielleicht sogar noch einen höheren Bedarf.

In der letzten Zeit ist erfreulicherweise erkennbar, dass immer mehr Pferdebesitzer darauf Wert legen, dass ihre Pferde rund um die Uhr Heu zur Verfügung haben. In Boxenställen mag das vielleicht ein wenig schwierig praktizierbar sein, aber hier könnten Heunetze durchaus eine gute Ergänzung darstellen. Ich habe auch schon gesehen, dass man je zwei Paddockboxen mit einem Heuautomaten versorgt. Möglichkeiten gibt es mittlerweile viele und ich hoffe sehr, dass sich hier ein Umdenken im Interesse aller Pferde durchsetzt.

Liebe Grüße,
Eva

PS: alle Aussagen hier beziehen sich gleichermaßen auf Frauen und Männer, auch wenn im Text aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Variante genannt wurde